Seite - 633 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
25.3.2 SchädigungvonBodenschutzwäldern indenTieflagen
In warm-trockenen Tieflagen kommt es immer wieder zu Phasen mit stark
verminderter Gesundheit der Waldbestände bis hin zu besorgniserregender
Mortalität. Die Ursachen sind oft komplex: mangelnde Wasserversorgung,
eventuell begleitet vonanderenabiotischenSchadfaktorenundverbundenmit
demBefall durchverschiedene Schadorganismen.Unter den rindenbrütenden
SchadinsektennimmtanderWeißkiefer auchhier Ipsacuminatus einebedeu-
tendeRolleein.DieSchwarzkiefernwälderimOstenÖsterreichssindwiebereits
inden1990erJahrenderzeitwiedervonhoherMortalitätbetroffen.ImFalleder
Schwarzkiefer ist es in erster Linie das Diplodia-Triebsterben (hervorgerufen
durchdenPilzDiplodiasapinea),welches,begünstigtdurchhoheTemperaturen
undtrockengestressteWirtsbäume,zurmassivenSchädigungderKronebishin
zumAbsterbendesBaumes führt (Hochetal., 2016).Hygienemaßnahmenund
waldbauliche Behandlungskonzepte, auch unter Berücksichtigung anderer
Baumarten,bietenLösungsansätze.
25.3.3 BedrohungvonSchutzwaldbaumartendurchinvasiveSchadorganismen
Invasive Schadorganismen sind während der vergangenen Jahrzehnte im
Waldschutz in den Vordergrund der Aufmerksamkeit gerückt. Das hat seine
Ursache inderGlobalisierungundhier speziell imweltweit enormgestiegenen
Pflanzenhandel, durchdenKrankheitserreger unbemerktüber große Strecken
transportiert werden. So haben sich im Alpenraum einige invasive Krank-
heitserreger etablieren können, die gegenwärtig zunehmend zum Problem
werden, da sie als Primärpathogene in ihremAusbreitungspotenzial nicht auf
Schwächungsfaktorenangewiesensind.
ZweiNadelkrankheitenbedrohenverschiedeneKiefernarten, vorallemaber
Latschen und Zirben lebensgefährdend, da sie übermehrere Jahre hinweg zu
steigenden Nadelverlusten führen (Dothistroma-Nadelröte und Lecanosticta-
Nadelbräune). Arten der Gattung Phytophthora (Verwandtschaftsgruppe der
Eipilze) spielen eine zunehmendeRolle alsWurzel- undWurzelhalsfäule-Erre-
ger bei vielen Pflanzenarten und werden primär fast ausschließlich über
Pflanzgut verbreitet. Vor allem über einige intensiv gehandelte Zierpflanzen
(z.B. Rhododendron) werden häufig neue Phytophthora-Arten aus anderen
Kontinenteneingeschleppt,wobei infiziertePflanzensymptomfreisindunddie
Krankheitmeist erst JahrenachdemSetzenausbricht.Die sekundäreVerbrei-
tung erfolgt effizientüberOberflächenwasser (Überschwemmungen). DieGe-
fahr der Hybridisierung zu neuen Artenmit veränderter Pathogenität ist bei
Phytophthoraweit höher als bei den echten Pilzen. ImOstalpenraum ist das
Forstschutz imSchutzwald 633
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute