Seite - 637 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
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ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
schlagsereignisses bis zum Einsetzen des Abflusses) wird, bei späterer und
niedrigererAbflussspitze, länger (Markart et al., 2017).
Fazit: SchutzwaldundextremeNiederschläge
Durch Extremereignisse in Form von Langzeitniederschlägen (Dauerregen)
ausgelösteHochwässerundSchadereignissehabenindenletztenJahrzehntenan
Bedeutunggewonnen.AufgrundderTranspirationsleistungderWaldvegetation
ist i. d.R. ein höherer freier Bodenspeicher in Relation zum umgebenden
Freiland imEreignisfall gegeben.DiesermindertdenDirektabfluss (Schumann
etal.,2016).DieRetentionswirkungvonWaldbödenistjedochumsogeringer, je
flachgründiger(z.B.geringmächtigeBödenaufFels-oderstauenderUnterlage)
undjeskelettreicherdasSubstrat(z.B.groberHangschutt,Blockschutt) ist.Mit
zunehmender Niederschlagsmenge und -dauer, und steigendem Verfüllungs-
graddes Bodens nähert sich dasAbflussverhaltenvonWaldflächen jenemder
umgebenden waldfreien Einheiten an, insbesondere an Hängen mit gering-
mächtigen Böden, bei hoher Vorbefeuchtung, geringem Bodenspeicher und
hohenAnteilenanZwischen-bzw.unterirdischemAbfluss (Hegg, 2006).
So zeigten detaillierte Luftbildauswertungen der Landbedeckung für das
Tiroler Paznauntal nach den dramatischen Hochwasserereignissen vom 22./
23.August 2005,dassdieBewaldungseit 1950von19auf21%,also relativum
8% gestiegen ist. Drei Viertel derWaldausstattung wiesen 2005 bessere hy-
drologische Eigenschaften als 1950 auf. Diese Veränderung hin zu dichterem,
kleinflächigerem und stufiger-strukturiertem Wald wirkt sich hydrologisch
günstig aus. Jedochwirddie seit 1950 eingetreteneVerbesserungder hydrolo-
gischen Schutzwirkung aus demWaldbereich durch die abflussverschärfende
Wirkung anthropogener Veränderungen (Zunahme anVerkehrs-,Wohn- und
Wirtschaftsflächen, Planien und Schipisten) mehr als egalisiert (Kohl et al.,
2009).
25.4.2 SchutzwaldundRutschungen
DerGefahrenprozessRutschungwurde inÖsterreich inderGefahren-,Risiko-
undWaldforschungerst relativspätbeachtet.DainÖsterreichauchheutenoch
allespontanenMaterialverlagerungendurchdieabtragendenKräftedesWassers
pauschal als »Muren« bezeichnet werden, sind historische Fälle schwer zu
identifizierenbzw. vonHochwasserereignissenmitGeschiebetrieb zu trennen.
RutschungenwerdenmeistdurchextremeNiederschlagsereignisseausgelöst.
DieWirkungdesWaldesbei extremenNiederschlagsereignissenhängtvonder
Art der Rutschung ab. Rutschungen können nach der zeitlichen Anlage der
Gleitung in zweiHauptgruppeneingeteiltwerden: die (1)permanenten (meist
SchutzwaldundNaturgefahren 637
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ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute