Seite - 644 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
rückzuführen sind (Schelhaas, 2008). InÖsterreichvariierendie durch Sturm
undSchnee verursachten jährlichen Schadholzmengen zwischen 1und3Mio.
m3. In Jahrenmit großflächigen Sturmereignissen (z.B. Vivian/Wiebke 1990,
Kyrill 2007, Paula/Emma 2008) lagen die Schadholzmengenmit 7–10Mio.m3
deutlichdarüber(BFW,o. J.).FürProjektionenderkünftigenWaldentwicklung
mit Hilfe vonWaldwachstumssimulatoren spielt die Abschätzung von Schad-
holzmengen, insbesondere unter dem Aspekt einer Klimaveränderung eine
zentraleRolle.
Die österreichische Waldinventur ist eine repräsentative Datenquelle für
»Zufallsnutzungen«(Kalamitätsnutzungen) fürdasgesamteBundesgebietüber
einenZeitraumvonfast 40 Jahren.AufdieserDatengrundlagewurdenModelle
entwickelt, die das Kalamitätsrisiko durch Sturm inAbhängigkeit vonBaum-
eigenschaften (Baumart, Brusthöhendurchmesser (BHD),Höhe,Höhe/Durch-
messer-Verhältnis (H/D-Wert) etc.), Standortsparametern (Boden und Topo-
grafie)undderHäufigkeit vonStarkwindereignissendarstellen.
Insgesamt zeigt sich, dassdieWindgeschwindigkeit inWechselwirkungmit
der Bestandeshöhe einen entscheidenden Einfluss darauf hat, ob es auf einer
Fläche zu einerKalamitätsnutzung kommt.Vor allemab einer Bestandeshöhe
von25msteigtdieWahrscheinlichkeit für eineKalamitätsnutzungdeutlichan
(vgl.Abbildung07).
Einige Faktoren der Windgefährdung lassen sich aber durch rechtzeitige
waldbaulicheMaßnahmen beeinflussen, denn es wurden signifikante Zusam-
menhänge zwischen derWindgefährdung und Parametern der Baumstabilität
identifiziert. So zeigt sich zumBeispiel, dass dieWahrscheinlichkeit für einen
Baum, vomWindgeworfen zuwerden,mit zunehmendemH/D-Wert ansteigt.
Auch die Eingriffsstärke bei Durchforstung oder einzelstamm-orientierter
Endnutzung beeinflusst dieWahrscheinlichkeit einer Zufallsnutzung: wird in
einemBestandnicht oder nur schwach eingegriffen (bismax. 15%Grundflä-
chenabsenkung), so hat ein verbleibender Baumeine höhereWahrscheinlich-
keit, Opfer eines Schadereignisses zu werden, als bei einer Grundflächenab-
senkung von etwa 25%. Darüberhinausgehende, stärkere Eingriffe, erhöhen
wiederumdieWahrscheinlichkeit füreineZufallsnutzung.Unabhängigvonder
Eingriffsstärke isteinBaumumsostärkergefährdet, je lichterderBestandnach
einem Eingriff zurückbleibt. Generell sind Nadelhölzer stärker gefährdet als
Laubhölzer (vgl.Abbildung07).
Die Analysen der österreichischenWaldinventurdaten stehen im Einklang
mit früheren Untersuchungen, die zeigen, dass dieWindgefährdung mit zu-
nehmenderBestandeshöhesteigt(Schmidtetal.,2010;Albrechtetal.,2012).Im
neu entwickelten Modell (Ledermann, 2017) kann eine solche kritische Be-
standeshöhemit25–30mangegebenwerden.Der signifikanteZusammenhang
zwischenWindgeschwindigkeit und Zufallsnutzung belegt, dass es zu einem
SchutzwaldundExtremereignisse644
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute