Seite - 647 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
Bild der Seite - 647 -
Text der Seite - 647 -
© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
((Fortsetzung))
Anbruchtyp Beschreibung WirkungdesWaldes
Lockerschneelawine VerlustderSchneefestigkeit an
derSchneedeckenoberfläche
durchErwärmungoderdurch
herabfallendesMaterial;
Voraussetzung ist steiles
Gelände (Hangneigung>458).
Bildet seltengroßeEreignisse PrimäreWirkung:Durchdie
BeschattungderBäume istdie
direkteEinstrahlunggeringer;
allerdings lösenausden
Baumkronenherabfallende
Schneeklumpen leicht
Lockerschneelawinenaus.
Natürliche Lawinenauslösungen und vor allem große Schadlawinen sind auf
außergewöhnlicheWetterverhältnissemit starkenoder langanhaltendenSchnee-
fällen (3-Tages-Neuschneesummen von mindestens 30 bis 50cm), Schnee-
verfrachtungen, großen Temperaturänderungen oder Regen zurückzuführen,
die imbreitenRahmenderklimatischenVerhältnisse indenAlpen ingewissen
Abständenimmerwiederauftretenkönnen(PerzlundWalter,2012;Teichetal.,
2012a). Extreme Ereignisse, die Lawinen im bewaldeten Gelände auslösen,
sind(1) starkeNeuschneefälle bei niedrigenTemperaturenundhoher Schnee-
decke inVerbindungmitgeringerSonneneinstrahlung(Schneebrettlawinen),
(2)plötzliche starke Erwärmungmeist in Verbindungmit starker Strahlung
(Lockerschneelawinen), oder (3)Durchfeuchtung der Schneedecke durch
Regen oft in Verbindung mit Erwärmung, meist nach Phasen größerer
Schneefälle bzw. inWinternmit überdurchschnittlicher Schneehöhe (Gleit-
schneelawinen)(Konetschny,1990;Meyer-GrassundSchneebeli,1992;EISLF,
2000; Teich et al., 2012a). Die erforderliche 3-Tages-Neuschneehöhe für La-
winenanbrüche imWalddurchNeuschneefälle liegt bei ca. 50cm, soferndie
Gesamtschneehöhe etwa 100 bis 150cm erreicht. Auslösungen von Nass-
schneerutschen imWald durch Erwärmung und/oder Regen sind schon bei
Schneehöhen von 30cmmöglich (diese sind aber seltenKatastrophenereig-
nisse); bei amBFWdokumentierten Schadensereignissen lagen die Schnee-
höhenderFreiland-Referenzstationenauchbei denNass-undGleitschneela-
winenüber100cm.
Größere Lawinenanbrüche entstehen in bewaldetemGelände nur auf Frei-
flächen, also in größeren Lücken und Blößen (Lückenbreite>10–20m), in
räumig-aufgelöstenNadelholzbeständen (Überschirmungsgrad< 30–60%, je
nach Lärchenanteil undHangneigung), auf Strauchflächenundbei niedrigem
Jungwald (<2m), sowie – auch bei geschlossenemKronendach – in stamm-
zahlarmenLaubwaldbeständen(z.B.SaekiundMatsuoka,1970; Imbeck,1984;
GublerundRychetnik,1991;Meyer-GrassundSchneebeli,1992;McClung,2001;
SchneebeliundBebi, 2004;Bebi et al., 2009;Viglietti et al., 2010).
SchutzwaldundNaturgefahren 647
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
zurück zum
Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute