Seite - 680 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
27.2 UnterschiedlicheDimensionenvonVulnerabilität
InBezug auf dasManagement vonNaturgefahren erfolgt dieAnalyse derVul-
nerabilität standardgemäß im Rahmen einer Risikoanalyse. Das Konzept der
Risikoanalyse hat sich hierbei nicht erst seit der Implementierung der EU
Hochwassermanagement-Richtlinie (Commission of the European Communi-
ties, 2007)etabliert, voralleminBezugaufalpineNaturgefahrenexistierenseit
Jahren entsprechendeVorschläge (Kienholz, 1994; Borter, 1999), die in ihren
Wurzeln auf die frühen Arbeiten der sogenannten Chicagoer Schule in den
VereinigtenStaatenvonAmerikazurückgehen (White, 1945;Kates, 1962;Bur-
tonet al., 1978).
Diezeitlich-räumlicheAnalysevonVulnerabilitätbegannmitVersuchen,das
steigende Ausmaß von Hochwasserschäden in den Vereinigten Staaten von
Amerika inVerbindungmit beispiellosenAnstrengungenundAufwendungen
Reduktion von naturgefahren-bedingten Schäden zu erklären (White, 1945;
White et al., 1958). Einige vonWhite’s bemerkenswertestenArbeiten (White,
1945)wareneinbesondererStimulusfürnachfolgendeStudienundbeinhalteten
die Identifizierung und Klassifizierung gesellschaftlicher Anpassungsmecha-
nismen anÜberschwemmungen, die generelle Wahrnehmung von Naturge-
fahrenunddieWahlgeeigneterManagementstrategien (Hinshaw,2006). Somit
wurde schon lange vor der von Starr (1969) veröffentlichten wegweisenden
Arbeit einVersuchunternommen, gesellschaftlicheAnpassunganRisikenund
damit verbundenerVulnerabilität zu erklären.EinwesentlichesMerkmal jener
frühenArbeitenwar es bereits, zwischen Extremereignissen und jenen Ereig-
nissen, diehäufiger auftreten, zuunterscheiden, eineDiskussion,diebisheute
dieAuseinandersetzungmitVulnerabilität auch inÖsterreichprägt.
AnpassunganeinLebenmitNaturgefahrenundeineVerringerungderVul-
nerabilität können grundsätzlich baulicher und nicht-baulicher Natur sein.
BereitsWhite propagierte, soweitmachbar, eine nicht-bauliche (zumBeispiel
planerische) Anpassung an Naturgefahren anstelle der baulichenMaßnahme
(wie zum Beispiel Dämme, Rückhaltebecken), die die Diskussion im frühen
20. Jahrhundert beherrschten.Vor allemdienicht-baulichenMaßnahmen,wie
siebeispielsweiseüberdiegesetzlichenRahmenbedingungengeschaffenwerden
können, werden in den vergangenen Jahrenwieder vermehrt diskutiert, und
bleibenzentral inBezugaufeineReduktionderVulnerabilität.NachAtkissonet
al. (1984)bestehenprivateund/oderöffentlicheAufwendungenzurReduktion
der Vulnerabilität zum größten Teil aus Anlageinvestitionen (Dämme, Rück-
haltebecken, usw.), während andere hauptsächlich wiederkehrende Ausgaben
fürPersonalbeinhalten(Lawinenwarndienste).WährendeinigeAufwendungen
für Anpassungsstrategien durch die öffentlicheHand getätigt werden (gesetz-
liche Regelungen), haben andere einen starken privaten Charakter (lokaler
Vulnerabilität680
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute