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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
Objektschutz). EinigeAufwendungenbeinhaltenphysikalischeEingriffe indas
Prozessverhalten einer Naturgefahr (technischer Schutz in den Prozessan-
bruchgebieten),währendanderedaraufabzielen,dieAuswirkungennatürlicher
Prozesse zu reduzieren (Retentionsbecken) und wieder andere nur die Ver-
minderung der Exposition betroffener BĂĽrgerinnen und BĂĽrger beinhalten
(Evakuierung).
Die Vulnerabilität im Zusammenhangmit Naturgefahren inÖsterreich ist
vonSeitenderPraktiker–beispielsweisederWildbach-undLawinenverbauung
oder derWasserbauverwaltungender Länder –üblicherweise definiert als die
physische Auswirkung gefährlicher Ereignisse auf exponierte Elemente (Ge-
bäude, Infrastruktur, vgl. auchBMLFUW,2005, 2009).Dementsprechendwird
Vulnerabilität,wennsiequantitativbewertetwird, alsdererwarteteVerlust für
ein Element definiert, das aufgrund der Auswirkungen eines potentiellen Er-
eignisses gefährdet ist. Diese Ereignisse sind ihrerseits durch eine bestimmte
Intensität, Häufigkeit und Einwirkungsdauer charakterisiert, die alle die Vul-
nerabilität beeinflussen. Diese Perspektive aus denNatur- und Ingenieurwis-
senschaften fokussiert auf bauliche oder strukturelle Empfindlichkeit, und
dementsprechendnimmtVulnerabilitäteinenWertvon0(keineSchädigung)bis
1 (vollständigeZerstörung)an (Varnes, 1984).DieAnalyseundBewertungder
physischen Vulnerabilität benötigt neben entsprechenden Angaben auf der
GefahrenseiteInformationĂĽberunterschiedlicheEigenschaftenderbetroffenen
Objekte, wie Gebäudekategorien oder -typen, Baumaterialien und -techniken,
Wartungszustand, Vorhandensein von Schutzstrukturen, Vorhandensein von
Warnsystemenusw. (Fell et al., 2008a,b). Aus diesemGrundbeschreibenVul-
nerabilitätswerte die Empfindlichkeit gefährdeter Elemente gegenüber ver-
schiedenen Prozesstypenmit unterschiedlicher räumlicher und zeitlicher In-
tensität (Fließtiefen, Einstauhöhen, Strömungsgeschwindigkeiten, Drücke,
usw.).
ImBereichder Sozialwissenschaften ist einedeutliche konzeptionelleTren-
nung zwischen Vulnerabilität, Gefährdung und Risiko zu beobachten (Renn,
2008a). Vulnerabilität wird als eine Prädisposition und ein Potenzial für eine
SchädigungderGesellschaftodereinesIndividuumsverstanden.Folglichändert
sichdieSchadensanfälligkeitnicht,wennsichdieGefahrändert–vielmehrwird
dieHöhe des Risikosüber eine geänderte Exposition beeinflusst. Ansätze zur
BestimmungderVulnerabilitätunterscheidensichnichtnurinHinblickaufdie
Freiwilligkeit eingegangener Risiken (Starr, 1969), sondern berĂĽcksichtigen
auchindividuelleundsozialeEinflĂĽsse,diedurchdieRisikowahrnehmungeines
Individuums gefiltert werden. Abhängig von verschiedenen Charakteristika
einerGefahr,wieEintrittswahrscheinlichkeit,SchadensausmaĂź,Wahrnehmung,
Unsicherheit, Allgegenwart, Persistenz, Reversibilität, Zeitverzögerung und
Mobilisierungspotential kann sich der Grad der Vulnerabilität erheblich ver-
UnterschiedlicheDimensionenvonVulnerabilität 681
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute