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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
ändern (Renn, 2008a). Eine großeHerausforderung in der Vulnerabilitätsfor-
schung besteht darin, dass »nicht nur Menschen anders sind, sondern sich
kontinuierlichverändern,sowohlalsEinzelpersonenalsauchalsGruppen.Diese
ständigeVeränderunginnerhalbdesmenschlichenSystems[…]interagiertmit
demphysischenSystem,umGefährdung,ExpositionundVerwundbarkeit […]
dynamischzusehen« (Mileti, 1999, S. 119,ÜbersetzungdurchAutoren).Diese
VeränderungenführenzudemPostulat,dassdiealleinigeBerücksichtigungvon
physischer oder sozialerVulnerabilität nicht ausreicht, umdie Schadensanfäl-
ligkeit umfassend zu bewerten. Vielmehr mĂĽssen weitere institutionelle und
wirtschaftliche Aspekte in eine gesamthafte Betrachtung integriert werden.
SchädigungenkönnendabeialsVoraussetzungfürphysischeundökonomische
Anfälligkeit angesehenwerden, während institutionelleVulnerabilität und so-
zialeAspektedenRahmenfüreineSchadensanfälligkeit imAllgemeinenbilden.
Auf dieseWeise existierenmehrere Interaktionen zwischen diesenKonzepten
derVulnerabilität.
27.2.1 PhysischeVulnerabilität
UnterdemGesichtspunktderNatur-und Ingenieurwissenschaften (undsomit
unterVernachlässigung jeglicher sozialerKomponente)wirdVulnerabilität als
ein funktionaler Zusammenhang zwischen Prozessgröße oder -intensität, der
daraus resultierenden Auswirkung auf gefährdete Elemente (Gebäude, Infra-
struktur oder auch Personen, vgl. beispielsweise Totschnig und Fuchs, 2013;
Milanesietal.,2016;Unterraderetal.,2018)undexponiertenWertenbetrachtet.
In Bezug auf konstruktive Risikoelemente bezieht sich Vulnerabilität auf die
Anfälligkeit von physischen Strukturen und ist definiert als der erwartete
Schadensgrad, der sich aus den Auswirkungen eines bestimmten (Bemes-
sungs-)EreignissesaufdiegefährdetenElementeergibt.DieQuantifizierungvon
Vulnerabilität erfordert die Bewertung verschiedener Parameter undFaktoren
wie Art des Elementes, das gefährdet ist, Widerstand und implementierte
SchutzmaĂźnahmen(beispielsweiselokalerObjektschutz,Holubetal.,2012).Im
HinblickaufdiegefährlichenProzessemüssenempirischeParameterwieGröße
undHäufigkeitbewertetwerden.DabeispieltdasMagnitude-Frequenz-Konzept
eine Schlüsselrolle. Wenn die Aktivität verschiedener Gefahrenprozesse auf
einergegebenenZeitskalaverglichenwird, treteneinigeProzessekontinuierlich
auf,währendanderenurunterbestimmtenAuslösebedingungenauftreten.Der
Begriff der Episodizität wurde vonCrozier (2004) verwendet, umauf die Ten-
denz zu verweisen, dass viele Naturgefahrenprozesse diskontinuierliches Ver-
haltenzeigenundsporadischalseineReiheeinzelnerEreignisseauftreten.Dies
ist bei vielen Naturgefahrentypen inĂ–sterreich evident, wenn die Beziehung
Vulnerabilität682
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute