Seite - 691 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
Bild der Seite - 691 -
Text der Seite - 691 -
© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
Durchschnitt rund 60.000E pro Antragsteller (einschließlich notwendiger
Bestattungskosten) entspricht. Die individuell akzeptierten Förderungen
lagen zwischen220E für kleinere SchädenanmobilenGüternund1,3Mil-
lionenE füreinvölligzerstörtesGebäude.EindurchschnittlicherAnteilvon
rund60%wurde als staatlicheUnterstützung fürdie geschädigtenParteien
ausgezahlt,wasgleichzeitigdemzulässigendurchschnittlichenMaximalwert
derUnterstützung entspricht (RepublikÖsterreich, 1996). Ein Teil der Ge-
bäudeschäden sowie der notwendigeTransfer vonVerstorbenenwurden zu
100%subventioniert,währendandereAntragstellerkeinestaatlicheHilfeaus
demKatastrophenfondserhielten.
Diese exemplarischeAuflistung liefert starke Indiziendafür, dassVerluste ten-
denziell ereignisspezifisch sind, und somit die individuellen Schädendie zwi-
schen 1972 und 2004 für das gesamte Land gemeldeten Durchschnittswerte
deutlichübersteigenkönnten.DieAuflistung zeigt jedoch einigeHerausforde-
rungen im Zusammenhangmit der ökonomischen Vulnerabilität auf (Fuchs,
2009):
1) Erstens sindSchäden, die sich ausderGefährdungdurchNaturgefahrener-
geben, eine Funktion der individuellen Auswirkungen des Ereignisses auf
gefährdeteElementeundderLokalisierungdieserElemente inBezugaufdas
räumlicheAuftretendieses Ereignisses. Folglich sinddie Schäden räumlich
betrachtet hochvariabel unddaher – aufgrund derWahrscheinlichkeit des
AuftretensmehrererEreignisseandemselbenOrt–auchzeitlichvariabel,was
eine genaue Schätzung derVulnerabilität erschwert. Folglich könnten Bür-
gerinnenundBürger,wieinderLiteraturberichtet, ihreeigeneVulnerabilität
insbesondere in Bezug auf verlustreiche Ereignisse mit geringer Wahr-
scheinlichkeit unterschätzen. Detailliertere Studien für Österreich stehen
jedochhier jedochaus.
2) Zweitens betragen die Verluste, die sich aus solchen Ereignissen ergeben,
zwischen einigen vernachlässigbaren Hunderten von Euro und mehreren
hunderttausendEuro imFalle der vollständigenZerstörungvonGebäuden.
Bedenkt man das mittlere jährliche Bruttojahreseinkommen der unselb-
ständig Erwerbstätigen in Österreich von rund 30.100E (Männer) und
18.600E (Frauen), können solche Schäden in Abhängigkeit von den per-
sönlichenVerdienstmöglichkeiten Betroffener zu einer individuellen Insol-
venzführen(StatistikAustria,2013).LetzteresistvonbesondererBedeutung,
daNaturgefahren inPrivathaushalten inÖsterreichbishernicht vollständig
einem umfassenden Versicherungssystem unterliegen (Schieferer, 2006;
HolubundFuchs, 2009;Prettenthaler undAlbrecher, 2009).Versicherungs-
schutz gegen SchädendurchNaturgefahren gibt es bisher nur inBezug auf
Verluste durch Sturm (definiert als Luftströmung mit Geschwindigkeiten
UnterschiedlicheDimensionenvonVulnerabilität 691
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
zurück zum
Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute