Seite - 695 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
welt-Betrachtung. Die Interaktion zwischenMensch und Umwelt ist von be-
sonderem Interesse, da argumentiert wird, dass »menschliches Handeln und
soziale Strukturen integralerBestandteil derNatur sindunddaher jedeUnter-
scheidungzwischensozialenundnatürlichenSystemenwillkürlich ist« (Adger,
2006,S. 268,ÜbersetzungdurchAutoren).Vulnerabilitätwirdeingestuftalsder
Grad, indemeinSystem für nachteiligeEffekte empfänglich ist unddieBelas-
tung,mit denendieses Systemnicht fertigwerdenkann.Daher sinddieEmp-
findlichkeit unddieAnpassungskapazität des SystemsSchlüsselparameter, die
beide als Widerstandsfähigkeit des Systems definiert werden können – die
GrößederStörung,dieabsorbiertwerdenkann,bevorsichein(soziales)System
in einen radikal anderen Zustand verändert (Holling, 1973), oder derWider-
standdesSystemsgegenStörungenunddiedamitverbundeneGeschwindigkeit
der Rückkehr in den Gleichgewichtszustand oder Stabilität (Holling und
Gunderson, 2002). IndemdieVulnerabilität alsGegenstück zurResilienzdefi-
niertwirdund folglich beideBegriffe als getrennte, abermiteinander verbun-
deneKonzeptebetrachtetwerden,habendiebeidenAspektefürdieStabilitätdes
Systems erhebliche Konsequenzen (zur Diskussion einer Koppelung vonVul-
nerabilität undResilienz sieheCutter, 2018). BeideAspektekonzentrieren sich
auf die Dynamik der sozialen Struktur bei der Erklärung der Vulnerabilität,
entwederimHinblickaufSystemänderungenoderaufdieStabilitätdesSystems.
Der ersteAspekt, der auf dieGrößeder Störungen fokussiert, die vor einer
VeränderungderSystemkontrolleund-strukturauftretenkönnen,bezieht sich
auf die Fähigkeit einer Gesellschaft, die Auswirkungen vonNaturgefahren zu
bewältigen. Der zweiteAspekt konzentriert sich auf die Stabilität des Systems
unddürftedaher imRahmenderBewältigungvonNaturgefahreninÖsterreich
besser anwendbar sein (Fuchs, 2009). Auch bei Extremereignissen ist die An-
fälligkeitdes(sozialen)SystemsgegenüberStress(aufgrundsozialerNetzwerke,
wirtschaftlicher Rahmenbedingungen sowie institutioneller und politischer
Faktoren)relativgering,undfolglichdieGeschwindigkeitderRückkehr inden
Ausgangszustand erheblich höher als in vielen anderen (nicht-europäischen)
Ländern.Mit anderenWorten, selbst wenn dasAusmaß einesNaturgefahren-
ereignisses hoch ist, ist dieAnfälligkeit aufgrundder zahlreichen inden euro-
päischen Gesellschaften installierten Ausgleichsmechanismen relativ gering,
aufgrundderÜberwälzungdesRisikosaufeinegrößereGemeinschaftbishinzu
staatlicherEntschädigungundprivaterSpende.DaheristdieWiederherstellung
nach einemEreignis gut organisiert, undder anfängliche Systemzustandwird
sofort odermit nur geringerVerzögerungwiederhergestellt. Dafür spricht die
relativunmittelbareRückkehr zurNormalität imöffentlichenLebennachdem
Lawinenereignis 1999 in großenweitenTeilen des europäischenAlpenraumes
(Nöthigeretal.,2005)odernachdenÜberschwemmungen2005,2013und2015.
Nach diesen Argumenten ist es nicht die soziale Ungerechtigkeit, fehlender
UnterschiedlicheDimensionenvonVulnerabilität 695
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute