Seite - 751 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
Wo die Anfänge des Katastrophenmanagements durch staatliche Akteure
wirklich liegen, ist nicht eindeutig zu beantworten und ist jeweils im geogra-
phischenKontext zu sehen. Für Europawirdmitunter das Erdbeben vonLis-
sabon1755,einExtremereignisindereuropäischenKatastrophengeschichte,als
Geburtsstunde des staatlichenKatastrophenmanagements genannt, zumal bei
diesem Ereignis erstmals staatlich gelenkte und geordnete Maßnahmen zur
Bewältigungdes Ereignisses zurAnwendungkamen, die auch in einen geord-
netenWiederaufbauübergingen, indemzudemMaßnahmenzurSenkungdes
künftigenErdbebenrisikosgetroffenwurden.DieBeschreibungdesErdbebens
von Lissabon zeigt, dass außerordentliche Ereignisse auch außerordentliche
MethodenundMaßnahmen inderBewältigung erfordern,was bis zumBruch
vonreligiösenKonventionenreichenkann.
Interessanterweise waren es in den letzten Jahrzehnten aber eher die tech-
nischenKatastrophen,wiedieChemiekatastrophenvonSevesoimJahr1976und
BhopalimJahr1984oderdasFlugunglückvonRammsteinimJahr1988,umnur
drei zunennen, die zuwichtigenWeiterentwicklungen imKatastrophenmana-
gementgeführthaben.
Im jüngeren österreichischen Kontext markieren die Erlassung der Kata-
strophenhilfegesetze der Bundesländer den Beginn der staatlichen Katastro-
phenhilfe. Dies fällt in die 70er und 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Na-
türlichgab es aucheineweiter zurückreichendeVorgeschichte,wobei aberdie
Ereignisbewältigung vor der Erlassung entsprechender Gesetze mit anderen
rechtlichen Instrumentarien, etwa im Rahmen des Rettungswesens oder des
Feuerwehrwesenserfolgte.
Eine neue Phase in der staatlichenBewältigung vonExtremereignissen be-
ginntmitderEntwicklungvongrenzüberschreitendenHilfeleistungssystemen,
wobei hier die VereintenNationen und die Europäische Union sowiemit ge-
wissenAbstrichenausösterreichischer Sicht die »NATO-Partnerschaft fürden
Frieden«zunennensind.
Auch hierfür wirkten Extremereignisse alsMotor. Die zivile Notstandspla-
nunginderNATOentstandbeispielsweisealsFolgederSturmflutvonHamburg
imJahr1962,beidemDeutschlandummilitärischeHilfederNATOersuchte.Für
die Entwicklung des Hilfeleistungssystems der Vereinten Nationen war das
ErdbebenvonArmenien im Jahr 1988maßgeblich.Die nachdemEreignis ge-
gründeteInternationalSearchandRescueAdvisoryGroup(Insarag)entwickelte
basierend auf Erkenntnissen aus der Bewältigung des Ereignisses undden in-
ternationalenHilfsmaßnahmenRegelnfürdieinternationaleKatastrophenhilfe,
die in den »Insarag Guidelines« kodifiziert wurden und die bis heute eine
maßgebliche Grundlage für die internationale Katastrophenhilfe darstellen.
AuchdasUnionsverfahrenfürdenKatastrophenschutz,dasimJahr2001infolge
derTerroranschläge indenUSAentstandenwar,wurdeausderErfahrungnach
Katastrophenbewältigung:historischeEntwicklung 751
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute