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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 293 -
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Anmerkungen zur Kaiserauffassung Ferdinands 293 scher Bücher in Wien veranlaßt261. Seine Klostervisitationen seien mit Wissen der zuständigen Bischöfe erfolgt und hätten nur die Abstellung von Mißbräu- chen zum Ziel gehabt. Die seinen Söhnen zugeteilten Räte seien bewährte Män- ner. Den letzten Punkt der Liste, der die mißbräuchliche Führung des Kaiserti- tels betraf, haben die beiden Autoren kaum noch ernst genommen, denn sie meinten dazu nur, auch Ludwig der Bayer sei bis zu seinem Lebensende trotz aller päpstlichen Drohungen Kaiser geblieben. Gundelius und Gienger sahen also keinerlei Grund, daß Ferdinand dem Papst irgendwo entgegenkommen müsse262. Ihre den allgemeinen Teil des Gut- achtens abschließende Empfehlung lautete, es sei vorerst gar nicht nötig, dem Papst darauf zu antworten, zumal sich ja die Reichsstände mit der Angelegen- heit befassen sollten263. Man wird nicht fehlgehen, wenn man diese von Ferdinand angeforderten Gutachten als Zeugnisse für die Grundhaltung des Kaiserhofes in Anspruch nimmt. Insgesamt dokumentieren sie eine weitgehende Übereinstimmung bei seinen Beratern, wie dem päpstlichen Angriff auf Ferdinands kaiserliche Stel- lung zu begegnen sei. Darüber hinaus verdeutlichen sie, daß man sowohl von der Würde und Bedeutung des Kaisers als Reichsoberhaupt als auch von seiner verfassungsrechtlichen Position in seinem Umkreis klare und feste Vorstellun- gen hatte. Anmerkungen zur Kaiserauffassung Ferdinands Zur Beantwortung der Frage, wie weit Seld und die anderen Gutachter Ferdi- nands persönliche Vorstellungen getroffen bzw. zum Ausdruck gebracht haben, können nur einzelne Bausteine zusammengetragen werden, wobei zu beachten ist, daß sie überwiegend aus „politischen Familienbriefen“ abgeleitet werden. Sie sind in der Regel wohl von Mitarbeitern Ferdinands formuliert worden, aber wegen der Wichtigkeit von Anlaß und Empfänger darf man davon ausge- hen, daß sie die Auffassung Ferdinands selbst wiedergeben. Die früheste Äußerung über Aufgaben des Kaisers findet sich in der Instruk- tion für den Herrn von Bredam aus dem Sommer 1524264. Nach Ausführungen 261 Die von Ferdinand 1546 verfügte Überprüfung jedes neu einzustellenden Professors durch Bischof und Kanzler auf Rechtgläubigkeit hatte sich als nicht durchführbar erwiesen und war 1551 dahin gemildert worden, daß nur eine persönliche Erklärung vor dem Rektor abzugeben war (Goldmann, S. 24f), was natürlich keine sichere Gewähr bieten konnte. – 1560 hat der Nun- tius Hosius den Vorwurf erneuert (ebda, S. 28). 262 Eine bei Goldast, Reichshändel, S. 166f, publizierte Liste von kurialen Vorwürfen gegen Ferdi- nand sowie dessen angeblicher Antworten darauf, deren Authentizität schon Sickel, Konzil, S. 28 bezweifelt hatte, ist von Heidenhain, Unionspolitik, S. 464–466, mit guten Gründen als pro- testantische Fälschung entlarvt worden. (Unverständlicherweise hat Holtzmann, S. 331, sie trotzdem verwendet.) Bei den Vorwürfen gibt es einige Parallelen zu den von Vargas übermit- telten. Das Gutachten von Gundelius und Gienger zeigt deutlich, daß man am Wiener Hof ganz anders dachte, als jener Fälscher glauben machen wollte. 263 fol 50r. So sind auch die Argumente Selds der Kurie gar nicht offiziell mitgeteilt worden, wie Fichtner, Ferdinand I., S. 229, vorgibt. 264 Vgl. Kapitel 6, S. 362 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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Ferdinand I. als Kaiser