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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 296 -
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Kapitel 4: Der Streit mit Papst Paul IV. – Neue Begründung des Kaisertums296 gegenüber dem kaiserlichen Amt. Zu den Pflichten jener beiden Obrigkeiten gehörte für Ferdinand selbstverständlich auch, sich um Abstellung der Miß- bräuche in der Kirche zu kümmern und ihre Reform zu fördern, doch differen- zierte er, in geistlichen Fragen sei das allein Sache des Papstes und der Bischö- fe276. An seiner Konzilspolitik während der dritten Tagungsperiode des Tri- dentinums wird zu studieren sein, wie er seiner Auffassung von den kaiserli- chen Pflichten gegenüber der Christenheit gerecht zu werden suchte. Hier sei nur exemplarisch aus seinem Auftrag an den Bischof von Fünfkirchen, der als Vertreter Ferdinands für das Königreich Ungarn zum Konzil gehen sollte, zi- tiert: „Nos qui inter Christianitatis potentatus principem locum tenemus, hoc sanctum institutum promovere ac optatum saluberrimumque exitum sortiri summopere desideramus“277. Die andere Komponente der Kaiseridee Karls V., das „dominium mundi“, hat Ferdinand anscheinend nicht mit dem Amt, sondern mit einer göttlichen Auszeichnung des Hauses Österreich verbunden. In seinem im Stil eines Te- staments verfaßten Schreiben an seine drei Söhne vom 10. August 1555 äußert er die Ansicht, Gott habe wegen der Glaubenstreue der österreichischen und burgundischen Vorfahren das Haus belohnt durch die Verleihung des Kaiser- tums, der meisten christlichen Königreiche sowie der Neuen Welt mit ihren großen Reichtümern278. Der Glaube an die Berufung des Hauses Österreich kommt ferner deutlich zum Ausdruck in einem Bescheid, den er 1563 auf eine vertrauliche Anfrage des Erzbischofs von Krakau erteilte: Er würde sehr glück- lich sein, wenn Gott es fügen wolle, daß das Königreich Polen an das Haus Österreich falle, nicht aus Ehrgeiz oder Herrschsucht, sondern weil es der Christenheit zum Heil gereichen und dem Schutz des katholischen Glaubens dienen würde279. Als Basis seines Kaisertums erscheint diese Überzeugung in der Antwort auf eine von Ferdinand als „etwas kleinmütig“ bewertete Eingabe der oberösterreichischen Regierung vom Januar 1562: Gott habe ihn und seinen Bruder in schwierigsten Situationen, als alle europäischen Mächte und die Tür- ken gegen sie standen und zudem innerhalb des Reiches gefährliche Unruhen ausgebrochen waren, nicht verlassen und werde gewiß auch künftig seine gnä- dige Hilfe gewähren280. Ein Bewußtsein, daß Ferdinands Herrschaft als Kaiser auf einer schmaleren Basis stehen werde und seine Politik sich danach richten müsse, läßt sich schon Jahre vor seiner Übernahme des Amtes in seiner Umgebung belegen, so in dem Anfang 1547 erstatteten Gutachten einiger Räte zur künftigen Reichspolitik der Habsburger281. Ausgehend von der besorgten Annahme, die bisherigen Erfolge im Schmalkaldischen Krieg hätten allenfalls bewirkt, daß die bereits zur Unter- werfung gebrachten Stände dem Kaiser viel mehr Furcht als Liebe entgegen- 276 Ebda, S. 109 u. S. 110 277 CT 8, S. 266 278 HHStA Wien, HA FK A 2 [unfol., S. 3] 279 HHStA Wien, Polonica 12 Konv. 1563, fol 72r-73v: Antwort auf eine vertrauliche Werbung des Erzbischofs von Krakau, 24.4.1563 (von Seld korrigiertes Konz.). 280 Chmel, Antwort, S. 158 281 Gedruckt in ARC 5, S. 19–28 (vgl. auch Kapitel 6, S. 376); zum Folgenden vor allem S. 20f. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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