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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 297 -
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Anmerkungen zur Kaiserauffassung Ferdinands 297 brächten, den König Ferdinand aber weder liebten noch fürchteten, postulieren sie – etwas altväterlich – ein von Zuneigung geprägtes Verhältnis zwischen Kai- ser und König einerseits, den Reichsständen andererseits als Grundlage für eine stabile Ordnung. Angesichts der Krankheit und der verschlossenen Wesensart Karls empfehlen sie Ferdinand, dem Kaiser „bruederlich unter die achseln [zu] greiffen“ und seine bessere Kenntnis der Verhältnisse im Reich energisch ge- genüber dem Kaiserhof zu vertreten, damit die anstehenden Fragen „nit, wie etwo bisher geschehen, mit flikhwerkh geergert, sondern bey gegenwurtiger victori und treffenlichn gueten gelegenhait ir baiden mten. und dem heiligen reich zum bössten aus dem grundt gehandelt und erörttert werden mugen“. Sein persönlicher Einsatz liege im wohl verstandenen eigenen Interesse, sei auch im Blick auf seine Nachfolge im Reich geboten, „dann was die kunigl. mt. in leben und gegenwurdigkhait der kays. mt. nit richtig machen, das wirdet her- nach vil beschwarlicher, auch schier unhoffenlich zue erlangen seyn“, und wer- de Ferdinand einen Gewinn an Liebe und Zuneigung bei den Reichsständen und an Reputation beim Kaiser verschaffen282. Ohne die nach des Kaisers Tod absehbare Zweiteilung der habsburgischen Machtbasis zu erwähnen, machten die Räte hier schon deutlich, Ferdinand werde als Kaiser in viel stärkerem Maße als Karl V. auf die Zusammenarbeit mit den Reichsständen angewiesen sein, ja sie empfahlen ihrem Herrn sogar, sich alsbald unter ihnen „ain starkhe partey und anhang zu machen“, wofür die Kurfürsten von Brandenburg und der Pfalz sowie Salzburg und Bayern „leichtlich zue erwerben sein sölten“283. Man könnte darin eine Distanzierung in seinem Umfeld von der Kaiserauffassung Karls V. erblicken, ohne daß man erkennen kann, wie weit sie Ferdinand schon teilte. Entschieden abgelehnt hat Ferdinand die Ansicht, ein Kaiser bedürfe zur an- gemessenen Amtsführung einer Machtbasis, die größer sein müsse als seine eigene. Diese Auffassung wurde von den engsten Beratern Karls V., als die Aus- einandersetzung zwischen den beiden habsburgischen Brüdern über die „spani- sche Sukzession“ in die entscheidende Phase gelangt war, zugunsten der Nachfolge Philipps auf Ferdinand – mithin zum Nachteil von dessen Linie – vorgebracht284, auch Karl V. selber war davon überzeugt285. Allerdings wider- sprach der jüngere Bruder der These nicht direkt, sondern wählte die subtile Methode, sie auf indirekte Weise unschädlich zu machen, indem er warnte, für die Interessen des Gesamthauses Habsburg sei es sehr gefährlich, solche Ge- danken bei den Kurfürsten vorzutragen, um sie für das unerhörte Projekt einer Königswahl vivente imperatore et rege zu gewinnen286; mit den reichsrechtli- 282 Die Zitate ARC 5, S. 21 283 Ebda, S. 27, Z. 29ff 284 Vgl. Laubach, Karl V., S. 44 (zur Quellenbasis Anm. 220) 285 Rassow, Politische Welt, S. 22f. u. S. 34 286 HHStA Wien, Belgien PA 85 Konv. B fol 24r-26v: Undatierte Aufzeichnung Ferdinands; mit kleineren Fehlern gedruckt Druffel 3, S. 161–165. Die hier wichtige Stelle (fol 26r = S. 164): „Si sa Mte vousise [sic!] mettre audevant aux electeurs sa grande puissance et la petite de mon cou- sté, doeit ainsy sa Mte considerer que poroient panser a aultres qui sont puisant et plus proschains de l’Empire que n’est Espaigne, comme a este parle et despute par avant a l’election de sa Mte.“ Vgl. Laubach, Nachfolge, S. 45f. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
MĂĽnster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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