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Kapitel 4: Der Streit mit Papst Paul IV. – Neue Begründung des
Kaisertums302
1558 fertiggestellt worden315. Im Vorwort zu einer neuen Ausgabe von Aven-
tins „Ursachen und gegenwehr des türkischen Krieges“ prophezeite der Editor
1558 einen neuen großen Angriff der Osmanen und behauptete, es sei „die
gantze warheit, das der leydige Bapst sampt anderen Königen und Herren sich
gentzlich mit dem Türcken wider die ubrigen Christen verbunden haben“316.
Vergerio prangerte in seinem 1560 veröffentlichten und König Maximilian ge-
widmeten Kommentar zum Index der verbotenen Bücher, auf dem auch Dantes
Abhandlung stand, nach der Wiedergabe von dessen Grundgedanken die feind-
selige Haltung Pauls IV. gegenüber Kaiser Ferdinand an317. Sechs Jahre später
wurde der Konflikt von dem protestantischen Assessor am Reichskammerge-
richt Simon Schard als Höhepunkt und Abschluß einer Serie von Zwisten zwi-
schen Kaisern und Päpsten der letzten hundert Jahre beschrieben318. Schard
konzentrierte seine mit zahlreichen Schmähungen des Caraffa-Papstes gespickte
Darstellung auf die Sendung Gúzmans und die ihm bekannten Fragen des Pap-
stes an die Kommission der Kardinäle und unternahm es, die darin enthaltenen
Vorwürfe gegen Ferdinands Kaisertum und Person nochmals ad absurdum zu
führen. Originelle Gedanken vermochte er nicht vorzutragen, gelegentlich be-
rief er sich auf Lupold von Bebenburg, Dante und Antonius von Roselli, jedoch
erdrückte die Entrüstung über die unerhörte Haltung des Papstes die Argu-
mentation fast völlig319.
Dennoch kann diese Publizistik, obwohl Seld Melanchthons Bearbeitung der
Chronik Carions positiv beurteilt hat320, nicht als repräsentativ für die Vorstel-
lungen Ferdinands und seiner Umgebung von Kaisertum und Reich angesehen
werden321. Da alle vorgestellten Gutachten der kaiserlichen Räte in ihrer Ziel-
setzung begrenzt waren, sollen nun noch drei Autoren behandelt werden, die
zum weiteren Umfeld Ferdinands gehören, deren Arbeiten nicht den Konflikt
mit Paul IV. als Anlaß haben, sondern in anderem Zusammenhang über Kaiser
und Reich reflektieren.
Der aus Bologna stammende Francisco Zoannetti war von 1548 bis 1564
Professor für Zivilrecht an der Universität Ingolstadt und darüber hinaus Rat
Herzog Albrechts, auch soll er mit dem Titel eines kaiserlichen Rates ausge-
315 Zur Bearbeitung von Carions Chronik durch Melanchthon vgl. Goez, S. 259 (mit weiterer
Literatur), und Mertens, S. 42, der die Ereignisse von 1558 nicht in seine Überlegungen einbezo-
gen hat. Zu den Centurien Scheible, S. 58f; ebda, S. 13ff der Nachweis, daß der habsburgische
Rat Kaspar von Niedbruck die Konzeption des Flacius gekannt und das Projekt gefördert hat.
316 Goldast, Reichshändel, S. 471
317 Hubert, S. 145f; Wagner, Dante, S. 36f
318 Simon Schardii Hypomnema de fide, observantia ac benevolentia Pontificum Romanorum erga
Imperatores Germanicos. Anhang zu: Epistolarum Petri de Vineis, cancellarii quondam Friderici
II. imperatoris. Basel 1566. Mir zugänglich war die zweibändige Ausgabe, Basel 1740. Der Ab-
schnitt über Ferdinand I. dort in Bd. 2, S. 350–365. Zu Schard, einem der bedeutendsten Kame-
raljuristen des späteren 16. Jahrhunderts, vgl. E. Wolf, Idee, S. 85f.
319 Zu Schards Pamphlet auch Burckhardt, S. 79f; Wagner, Dante, S. 50ff
320 So Vogel, S. 64
321 Als Kuriosum sei angemerkt, daß ebenfalls 1559 in Basel auch die den kurialen Standpunkt
verteidigende Arbeit von Panvinio mit kaiserlichem Privileg versehen gedruckt worden ist
(Burckhardt, S. 56–60).
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien