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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 304 -
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Kapitel 4: Der Streit mit Papst Paul IV. – Neue Begründung des Kaisertums304 als „Gubernator“ des Römischen Reiches bezeichnet331. Das Festhalten an der Weltherrschaft des Kaisers ist aber so wenig wie bei Melanchthon mit einem hegemonialen Anspruch verbunden, denn Zoannetti respektiert den Satz, daß der französische König in praxi keinen Oberherrn habe. So kann er, Baldus zustimmend, formulieren: „Imperatoribus per legem regiam gubernationem duntaxat et regimen Imperii Romani cum generali jurisdictione, & praeterea nihil, fuisse commissum“332. Auf die 1559 aktuelle Diskussion über das Verhältnis von Kaiser und Papst ist Zoannetti zwar nicht ausdrücklich eingegangen, aber es bedeutet eine indi- rekte Stellungnahme, daß er die Institutionen Reich und Kirche als gleichrangig behandelt, „quoniam Ecclesia & Imperium Romanum ab uno & eodem princi- pio descendunt, aequiparanturque invicem, & cognationem inter se maximam habent“333. So wie der Kaiser das Reich nicht als Besitz, sondern zur „guberna- tio“ innehat, so sind auch Papst und Klerus nicht die Herren der Kirche, son- dern nur ihre Verwalter (dispensatores et administri)334. Zwar ist die Kirche auch die „Mutter des Römischen Reiches“, sie hat also einen gewissen Vorrang, aber Kirche und Reich sollen sich wie Brüder verhalten335. Der Kaiser ist „miles atque defensor“ der Kirche336. Obwohl Zoannetti in diesem Zusammenhang auf den Eid verweist, den der designierte Kaiser der Kirche (nicht: dem Papst) lei- stet, leitet er daraus keine Unterordnung ab, er legt nur Wert auf die Parallele, daß die Fürsten, die dem Kaiser einen Eid schwören, ihm zum Waffendienst verpflichtet sind. So kann Zoannetti an anderer Stelle unter Berufung auf den Kanonisten Hostiensis vom Kaiser sagen: „circa temporalia vicarius Dei est in terris“337, eine Position, die auch Nikolaus von Cues und Antonius von Roselli vertreten hatten338. In seiner Verwertung der Translationstheorie unterscheidet sich Zoannetti von anderen Autoren insofern, als sie für ihn lediglich die Funktion hat, gegen- über anders lautenden französischen Thesen zu erhärten, das gegenwärtige Imperium, wie es die deutschen Kaiser innehaben, sei die unmittelbare Fortset- zung des Imperium Romanum. Der letzte Teil seines Traktats ist eigens der Frage gewidmet, „num hodie sit Romanum aut potius Germanicum Imperi- um“339. Insbesondere setzt er sich kritisch mit der von französischen Juristen zunehmend vertretenen Position auseinander, das französische Königtum sei dem Kaisertum gleichrangig und von ihm unabhängig340. Er beharrt darauf, das Kaisertum sei direkt von den Griechen (bzw. Byzantinern) durch die von Papst Leo III. vorgenommene Übertragung auf Karl den Großen zu den Deutschen 331 Ebda, S. 298 332 Ebda, S. 299 333 Ebda, S. 302; ganz ähnlich S. 309, wo hinzugefügt ist, dieser Grund sei Christus. 334 Ebda, S. 309 335 Ebda, S. 292; vgl. Bosbach, S. 69 Anm. 25 336 Zoannetti, S. 283 337 Ebda, S. 306 338 E. Wolf, Idee, S. 58 339 Zoannetti, S. 313 340 Zu dieser Richtung Andrae, S. 75ff, 84f; François, passim CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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