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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 307 -
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Zur Reaktion der „Öffentlichkeit“ im Reich 307 den ewigen Landfrieden Maximilians I. sowie dessen Absicht, einen Kreuzzug gegen die Türken zu führen, hervor. Besonders bekümmert ihn, daß die selbst in den Zeiten des Niedergangs gewahrte religiöse Einheit im Reich just dann verloren gegangen ist, als Kaiser Karl V. zur Herrschaft gelangte, der wie kein anderer dazu prädestiniert war, das Reich zu neuer Blüte und altem Glanz em- porzuführen355. Die Notwendigkeit, die Macht des Kaisers zu stärken, begründet Pflug mit der von Gegnern des Reichs drohenden Gefahr, den Deutschen die Zierde des Kaisertums zu nehmen oder gar das Reich zugrunde zu richten356, aber auch damit, daß das in der Mitte der christlichen Völker gelegene Deutschland die Fluchtburg des Christentums sei357. Darum muß der Kaiser im Reich ebenso- viel Gewalt haben wie der einzelne Fürst in seinem Territorium358. Insbesonde- re muß er über eine hinreichende Zahl von Truppen verfügen und im ganzen Reich das Recht zu ihrer Anwerbung haben, während fremde Truppenwerbun- gen zu verbieten sind – unverkennbar eine indirekte Kritik an der Beschneidung der kaiserlichen Möglichkeit, letzteres zu tun, wie sie die Exekutionsordnung von 1555 bestätigt hatte. Ferner benötigt der Kaiser angemessene Einkünfte, die durch Steuern aufzubringen sind, da die früheren Ressourcen im Interregnum verloren gegangen sind. Die langen historischen Ausführungen im ersten Teil haben im Grunde nur die Funktion zu beweisen, daß damit nichts Neues oder Unbilliges vorgeschlagen wird. Weder bei der Krönung Karls des Großen noch beim Kaisertum Ottos hat Pflug der Mitwirkung des Papstes gedacht. Diese Verkürzung hatten sich auch Humanisten wie Enea Silvio Piccolomini und Ursinus Velius sowie protestanti- sche Geschichtsschreiber wie Sleidan oder die Carion-Chronik geleistet359. Der letzte katholische Bischof von Naumburg bringt es allerdings fertig, in der gan- zen Oratio das Papsttum kein einziges Mal zu erwähnen. Mithin ist nicht nur die Translationstheorie für ihn kein Thema, er vermeidet auf diese Weise eine Stellungnahme zu dem Verhältnis zwischen Kaisertum und Papsttum und um- geht das heikle Problem, die Rolle der Päpste beim Niedergang der Kaisermacht erörtern zu müssen. Ebenso fehlt in den mehrseitigen Ausführungen über die Notwendigkeit, die Kirchenspaltung zu überwinden, jeder Hinweis auf das Konzil als möglichen Weg oder gar auf das Tridentinum; stattdessen findet sich in der Überleitung zu diesem Teil die Bemerkung, nachdem Ferdinand seinem Bruder im Kaisertum gefolgt sei, „ut ad Imperium nostrum instaurandum et res 355 Pflug, S. 42 356 S. 71: „ac quidem vicini nostri id agant, ut Imperium nationis nostrae, quod idem Romanum est, aut transferatur alio, aut funditus intereat, et nos non solum hoc insigne ornamentum nostrum, sed etiam libertatem amittamus; certe alterutrum horum evenire necesse est, ut vel Imperatori nostro maior potestas adiugatur...“ 357 S. 71f: „Est enim Germania nostra illa quasi arx, in qua orbi Christiano et opportunitate loci, et militum copia atque fortitudine tantum est praesidii, quantum in nulla alia natione. Nam cum Imperium in ea sedem suam quasi in medio Christianarum gentium posuerit ...“ 358 S. 79: „...ut maior sit in posterum Imperatoris nostri potestas: nec minus hic possit in cunctam Germaniam, quam singuli Pricipes in singulos populos suos“. 359 Vgl. Thierse, S. 122; Seifert, S. 40 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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