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Kapitel 4: Der Streit mit Papst Paul IV. – Neue Begründung des
Kaisertums314
standpunkt im Blick auf den Frankfurter Staatsakt wurde dadurch nicht be-
rührt.
Es ist nicht mehr zur Aussöhnung zwischen Ferdinand und Paul IV. ge-
kommen. Der Tod des Papstes im August und das folgende, sehr lange dauern-
de Konklave bedingten eine Pause und boten die Chance für einen Neubeginn.
Schon Anfang Juli hatte man in Augsburg erfahren, daß der Papst auf den Tod
erkrankt sei403. Ferdinand entschloß sich, die Gelegenheit zu nutzen. Am 10.
Juli erging an seinen Gesandten in Venedig, Franz von Thurm, der Auftrag, sich
bereit zu halten, damit er sofort nach Rom eilen könne, wenn ihn sichere Nach-
richten vom Tod des Papstes erreichten, denn der Kaiser brauche dort während
der bevorstehenden Sedisvakanz einen Vertreter, der den kaiserlichen Stand-
punkt bei den Kardinälen zur Geltung bringe404. Gerade weil das Risiko einkal-
kuliert werden mußte, daß in der Frage der Anerkennung das Kardinalskollegi-
um bei der Haltung Pauls IV. verharren könnte, wurde Thurm instruiert405,
sorgfältig Rang und Rechte des Kaisers zu wahren, aber größte Vorsicht bei
allem zu beobachten, was als Einflußnahme auf die Wahl, insbesondere als
Stellungnahme für oder gegen einzelne Kandidaten interpretiert werden konnte.
Bei jeder passenden Gelegenheit sollte er den Eifer seines Herrn für das Wohl
der Kirche betonen, die Kardinäle im Namen des Kaisers ermahnen, einen
Papst zu wählen, der den Frieden fördere und baldmöglichst ein Konzil berufe
sowie die Reform der Kirche einleite und durchführe, und dafür die Unterstüt-
zung des Kaisers zusagen. Die Kritik am Kurs des letzten Papstes klingt durch
die formelhaften Wendungen. In Konzil und von der Kurie mitgetragener Kir-
chenreform sah Ferdinand nach dem Scheitern des Wormser Colloquiums al-
lerdings den einzigen verbliebenen Weg zur Wiederherstellung der kirchlichen
Einheit. Am 20. August erhielt Thurm nachts die Todesnachricht und brach
umgehend auf406. Nach seinem Eintreffen in Rom konnte er alsbald mit Ge-
nugtuung melden, daß die Kardinäle ihn durchaus als kaiserlichen Vertreter
behandelten407.
Aus dem langwierigen Konklave ging endlich am 26. Dezember 1559 mit Pi-
us IV. ein neuer Papst hervor, der als Kardinal Kritik an der Politik Pauls IV.
geübt hatte408. Das Resultat erweckte in Wien die Hoffnung auf ein besseres
Verhältnis zur Kurie, die Seld umschrieb: „Und weil er dan auch one alles mit-
tel durch befürderung des kunigs von Spanien an das bapstumb komen, ist zu
verhoffen, er werd sein leben lang desto besser oesterreichisch sein“409. Pius IV.
403 Joachim von Neuhaus an Maximilian, Augsburg, 6.7.1559 (HHStA Wien, RK RTA 43, fol
279r/v)
404 Sickel, Konzil, S. 1f; ähnlich ebda, S. 4
405 Sickel, Konzil, S. 4–8; vgl. T. Müller, S. 30; Reimann, Paul IV., S. 35f
406 HHStA Wien, Venedig Berichte 5 fol 224r: Thurm an F., Venedig, 20.8.1559 (eigh.)
407 Sickel, Konzil, S. 10f; im Auszug aus Ferdinands Antwort (ebda, Nr. 10, S. 16) ist dessen Befrie-
digung darüber ausgelassen, „quod tibi tamquam Oratori nostro datus sit locus dignitati et auc-
toritati nostrae Caesarea debitus et conveniens...“ (HHStA Wien, Rom Korr. 15, fol 401r). Des
Kaisers Zufriedenheit bezeugt Seld im Brief an Herzog Albrecht v. 30.9.1559 (BHStA München,
KÄA 4306, fol 288r; eigh.Or.)
408 Herre, S. 37; zum Konklave grundlegend T. Müller
409 Seld an Herzog Albrecht, 6.1.1560 (Goetz, Beiträge, S. 168 Anm. 3)
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien