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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 315 -
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Verlauf des Streits nach dem Tod Karls V. 315 versicherte Thurm bei erster Gelegenheit, er sei Ferdinand freundlich gesinnt, und der Gesandte drängte sogleich in einer Privataudienz auf Niederschlagung der leidigen Angelegenheit, wies alle gegen Ferdinand bestehenden Vorwürfe als unwahr zurück und ersuchte um eine rasche Entscheidung, damit er als kai- serlicher Gesandter an der Krönungsfeier des Papstes teilnehmen könne. Die Intervention, die indirekt die Ankündigung enthielt, er werde andernfalls Rom vorher verlassen, hatte Erfolg. Am 30. Dezember 1559 ließ Pius IV. im Konsi- storium die Erklärung abgeben, Ferdinand sei als Kaiser anzusehen und Thurm stehe der Platz zu, den der kaiserliche Gesandte einzunehmen pflege. Durch eine Würdigung der persönlichen Integrität und Frömmigkeit Ferdinands an- nullierte der neue Papst außerdem die kränkendsten Angriffe seines Vorgän- gers410. Ferdinand beeilte sich seinerseits, dem Papst seine Genugtuung über diese Entscheidung auszudrücken und einen Sondergesandten anzukündigen, der die schuldige „reverentia ac devotio“ des Kaisers überbringen würde411. Mit einem an Ferdinand als erwählten römischen Kaiser adressierten Breve vollzog der Papst auch im Schriftverkehr die Anerkennung412. Allerdings gab es noch Nachgeplänkel. Pius IV. hatte Thurm mehrmals na- hegelegt, der Kaiser möge seinen angekündigten Sondergesandten so instruie- ren, daß er wegen des Passauer Vertrages und anderer Rezesse im Konsistorium eine Entschuldigung vorbringen könne413. Ferdinands Vertreter bemühte sich in als „Privatmeinung“ bezeichneten Ausführungen, dem Papst die Bedrängnis der Habsburger durch Moritz von Sachsen im Jahr 1552 zu erläutern414. Ferner wurde Thurm nochmals eine Liste der gegen Ferdinand erhobenen Vorwürfe ausgehändigt415. Für den Kaiser gab es aber keinen triftigen Grund, die bisher eingenommene Haltung zu ändern und darauf zu reagieren416 – mit einer Aus- nahme: Graf Scipio Arco, der Gratulation und Reverenzerklärung des Kaisers in Rom vortragen sollte, erhielt ein besonderes Exposé, um im Bedarfsfall An- klagen wegen der religiösen Haltung Maximilians entgegentreten zu können417; doch brauchte er anscheinend nicht darauf zurückzugreifen. Für den Kaiserhof war mithin immer noch Vorsicht geboten, aber Graf Sci- pio Arco war seiner delikaten Aufgabe, die Aussöhnung ohne Abstriche an der Wiener Auffassung über das Verhältnis von Kaiser und Papst zu vollenden, nicht ganz gewachsen418. Die Ansprache, die er in Rom vorzutragen hatte419, 410 Eingehender Bericht Thurms an Ferdinand, Rom, 1.1.1560, bei Sickel, Konzil, S. 22f.; vgl. Rei- mann, Papst, S. 36f 411 Raynaldus 34, S. 44f: F. an Pius IV., 16.1.1560; vgl. Reimann, Streit, S. 317f. Das Wort „oboedi- entia“ hat Ferdinand in dem Schreiben konsequenterweise nicht gebraucht. 412 Sickel, Konzil, S. 41f 413 Sickel, Konzil, S. 24 u. S. 40: Berichte Thurms v. 1.1. und v. 27.1.1560 414 Ebda, S. 76 (Schlußrelation Thurms) 415 Ebda, S. 27ff 416 Für die gegenteilige Ansicht von Schmid, S. 36, und Leeb, Reichstagsgeschehen, S. 255, finde ich keinen Beleg. 417 Gedruckt in den Litterae secretiores, S. 12ff; vgl. Schlecht, S. 5 418 Zu Verlauf und Problematik seiner Gesandtschaft am besten Rill, Arco, S. 8–11. 419 Schlecht, S. 23f, bietet die Rede im Rahmen des kurialen Protokolls über die Audienz Arcos. NB II 3, S. 401 stellt sicher, daß sie in Wien vorbereitet worden war. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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