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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 316 -
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Kapitel 4: Der Streit mit Papst Paul IV. – Neue Begründung des Kaisertums316 brachte die Erwartungen Ferdinands zum Ausdruck, der neue Papst möge sich vordringlich um die Reform der Kirche und den Frieden zwischen den christli- chen Mächten kümmern und eine erfolgreiche Bekämpfung der Feinde des christlichen Glaubens ermöglichen, wobei der gewählte Papstname genutzt wurde, um an die enge Verbindung und gedeihliche Zusammenarbeit seines Vorgängers Pius II. mit dem Hause Habsburg bzw. Ferdinands Urgroßvater Kaiser Friedrich zu erinnern. Die Rede schloß mit der Ankündigung, der Kaiser werde, sobald es die Umstände erlaubten, um die Krönung nachsuchen; Ferdi- nand beabsichtigte also damals noch, trotz der ablehnenden Meinung der Prote- stanten, an dem alten Brauch festzuhalten. Aber in der den Höhepunkt der Ansprache bildenden Ergebenheitsadresse war, anders als zwei Jahre vorher bei der Sendung Gúzmans, das Wort „Oboedientia“ vermieden, und zwar mit Be- dacht, wie der anfängliche Widerstand Arcos gegen die vom Papst nach Vor- weglektüre verlangte Ergänzung beweist420. Daß Arco sich von den Kardinälen Madruzzo und Morone dazu überreden ließ, den problematischen Terminus hinzuzufügen, erregte in Wien Mißfallen, und Ferdinand würdigte das Ansin- nen der beiden Kardinäle, die Änderung ausdrücklich gutzuheißen, keiner Antwort421. Insgesamt hat Kaiser Ferdinand I. den von ihm nicht gewollten Konflikt mit der Kurie erfolgreich durchgestanden. Nach den Angaben des Nuntius Hosius über seinen ersten Empfang beim Kaiser ist Ferdinand dieses Zerwürfnis per- sönlich sehr nahe gegangen, denn er habe plötzlich die Fassung verloren und sei in Tränen ausgebrochen422. Die Erörterungen mit der Kurie über Konzil und Kirchenreform und die Verhandlungen im Zusammenhang mit der Königswahl Maximilians haben Ferdinand weiteren Anlaß gegeben, die Eigenständigkeit des Kaisertums gegen- über dem Papsttum zu betonen. Darauf ist noch zurückzukommen. 420 Dazu vgl. den Bericht Thurms v. 17.2.1560 (Sickel, Konzil, S. 42f) 421 NB II 3, S. 401; vgl. Schmid, S. 38; das Schreiben der beiden Kardinäle in NB II 3, S. 405 Anm. 422 NB II 1, S. 16. Vgl. Fichtner, Disobedience, S. 29; dies., Ferdinand I., S. 231 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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