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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 317 -
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KAPITEL 5 DER REICHSTAG IN AUGSBURG 1559 Die Ausgangssituation Der Augsburger Reichstag von 1559 ist der einzige geblieben, den Ferdinand als Kaiser berufen und geleitet hat. Diese Reichsversammlung ist bisher von der Forschung insoweit betrachtet worden, als die Positionen der beiden Konfessi- onsparteien dort deutlichere Konturen gewonnen haben. Eine die verschiede- nen Ziele und Intentionen des neuen Kaisers umgreifende Untersuchung gibt es hingegen noch nicht. Für die Fragen nach seinen taktischen Überlegungen und seiner Einflußnahme auf die Beratungen ist die Quellenlage nicht besonders günstig. Im Unterschied zu den vorhergehenden Reichstagen fehlen natürlich seine Rechenschaftsberichte an Kaiser Karl und ebenso die Weisungen an seine eigenen Vertreter. So müssen seine Erwägungen aus den offiziellen Antworten an die Stände rekonstruiert werden, wozu manchmal vorhandene Entwürfe hilfreich sind. Es empfiehlt sich in diesem Fall, die Chronologie der Beratungen zu verlassen und nach Themenbereichen vorzugehen. Zum Leidwesen Ferdinands verzögerte sich der Beginn des zum 1. Januar 1559 einberufenen Reichstags – der Kaiser selbst ritt am 31. Dezember in die gastgebende Stadt ein1 – um zwei Monate, weil die Kurfürsten und Fürsten, auf deren persönliche Teilnahme er Wert legte, auf sich warten ließen. August von Sachsen war trotz mehrerer Sondereinladungen nicht zu erweichen2. Ebenso machten sich die einflußreicheren Fürsten rar, obwohl manche Belehnung durch den neuen Kaiser fällig war. Albrecht von Bayern war wenigstens am Anfang zugegen und hielt die Ansprache zur Eröffnung; Christoph von Würt- temberg kam zwischendurch für ein paar Wochen. Seine Entschuldigung, er werde anreisen, wenn mehr Fürsten eingetroffen wären als bisher, beantwortete Ferdinand schlagfertig selbst: Wenn sich jeder nach anderen richten wolle, wer- de am Ende niemand erscheinen und aus dem Reichstag nichts werden3. Philipp von Hessen dagegen ließ sich weder duch die vom Kaiser persönlich gegenüber seinen Gesandten ausgesprochene Schmeichelei, er könne als „einer von den erfarensten fursten wol guetes dabey thun“, noch durch die Aussicht auf ge- meinsame Falkenjagd mit Ferdinand zu der Reise bewegen4. Schließlich erwie- sen doch drei Kurfürsten dem Kaiser die Ehre der persönlichen Teilnahme, nämlich die Erzbischöfe von Mainz und Trier – um des letzteren Ankunft ab- zuwarten, wurde die Eröffnung eine weitere Woche hinausgeschoben5 – und später auch Friedrich III. von der Pfalz, der Nachfolger des im Februar verstor- 1 Blarer 2, S. 439 2 HHStA Wien, RK RTA 43, fol 18r-19v: F. an August, Prag, 11.11.1558 (Kopie); Wolf, Prote- stanten, S. 156f über eine Werbung im Februar 1559. 3 Ernst, Bw. 4, S. 612: Bericht der Gesandten v. 27.2.1559 4 HStA Marburg, PA 1275, fol 13r und fol 2r-4r: Berichte v. 12.3. bzw. 7.2.1559 5 Kluckhohn, Briefe 1, S. 4f CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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