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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 318 -
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Kapitel 5: Der Reichstag in Augsburg 1559318 benen Ottheinrich. Das vom venezianischen Gesandten berichtete Gemunkel, angeblich habe der Papst mehrere Fürsten zum Fernbleiben aufgefordert, weil Ferdinand nicht „il principe legittimo“ sei, war indessen abwegig6. Die Gegenstände der Beratung, die das am 1. September 1558 erlassene Aus- schreiben genannt hatte7, waren größtenteils schon in Frankfurt mit den Kur- fürsten abgesprochen worden. Es waren die seit längerem anhängigen Proble- me: Einigung über den Weg zur Überwindung der Glaubensspaltung im Reich; hinreichende Vorsorge gegen türkische Angriffe; effiziente Sicherung von Frie- den und Recht im Reich; Fertigstellung der Reichsmünzordnung. Außerdem traten einige außenpolitische Fragen an den Reichstag heran: Das Erscheinen einer französischen Gesandtschaft rückte die Entfremdung der lothringischen Bistümer und Städte vom Reich den Ständen wieder stärker ins Bewußtsein, und so wurde die Forderung ihrer Restitution mit Ferdinands Zustimmung zum Beratungspunkt. Ferner mußte die prekäre Situation im Baltikum bzw. das Problem, ob und wie man den dort bedrängten Mitgliedern des Reichs zu Hilfe kommen sollte, erörtert werden. Nebenher informierte Ferdinand schon am Tag nach der Eröffnung den Kurfürstenrat über den Stand seines Konfliktes mit der Kurie wegen seiner Kaiserproklamation, doch wurde das von beiden Seiten als nur die Kurfürsten interessierende Angelegenheit betrachtet, die Erklärung wurde darum im Gemach des Kaisers vorgetragen8. Nicht nur wegen des Konfliktes mit dem Papst, auch im Blick auf die politi- sche Situation in Europa und wegen der beginnenden Verhärtung der Fronten zwischen den Konfessionen, zu der polemische Schriften wie z.B. einige Publi- kationen von Staphylus über das Wormser Colloquium beitrugen9, waren die Aussichten, diesmal Fortschritte in der Religionsfrage erzielen zu können, kei- neswegs günstig. Es war indessen unumgänglich, das Thema auf die Tagesord- nung zu setzen, weil der Abschied des Regensburger Reichstages vorsah, daß die Ergebnisse der Wormser Tagung Ausgangspunkt neuer Beratungen werden sollten; nur gebrach es nun wegen des Mißerfolges an Anknüpfungsmöglich- keiten. Es war vielmehr zu befürchten, daß die in Regensburg beschlossene Offenlegung der Akten des Religionsgesprächs den Streit zwischen den Konfes- sionen, wer für das Scheitern verantwortlich sei, neu entfachen würde. Nicht nur am Kaiserhof, auch in Dresden wurde diese Gefahr gesehen, aber die kur- sächsische Anregung, die Sache einfach mit Stillschweigen zu übergehen, mochte Ferdinand wegen der eindeutigen Vorgaben des Regensburger Ab- schieds nicht befolgen10. Einen einfachen Ausweg aus dem Dilemma hat man am Kaiserhof nicht gefunden. In der am 3. März verlesenen Proposition11 wurde nachdrücklich betont, das Wormser Gespräch sowie die umfassende Unterrichtung aller Reichsstände über seinen Verlauf seien in Regensburg zu dem Zweck beschlossen worden, 6 VD 3, S. 84f (v. 21.1.1559) 7 Ernst, Bw. 4, S. 556 Anm. 1 8 Kluckhohn, Briefe 1, S. 34 9 Bundschuh, S. 542ff; Kurze, S. 61 10 Wolf, Protestanten, S. 162 11 HHStA Wien, RK RTA 42, fol 62r-69r; sehr kurzes Referat bei Wolf, Protestanten, S. 163f CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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Ferdinand I. als Kaiser