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Kapitel 5: Der Reichstag in Augsburg
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benen Ottheinrich. Das vom venezianischen Gesandten berichtete Gemunkel,
angeblich habe der Papst mehrere Fürsten zum Fernbleiben aufgefordert, weil
Ferdinand nicht „il principe legittimo“ sei, war indessen abwegig6.
Die Gegenstände der Beratung, die das am 1. September 1558 erlassene Aus-
schreiben genannt hatte7, waren größtenteils schon in Frankfurt mit den Kur-
fürsten abgesprochen worden. Es waren die seit längerem anhängigen Proble-
me: Einigung über den Weg zur Überwindung der Glaubensspaltung im Reich;
hinreichende Vorsorge gegen türkische Angriffe; effiziente Sicherung von Frie-
den und Recht im Reich; Fertigstellung der Reichsmünzordnung. Außerdem
traten einige außenpolitische Fragen an den Reichstag heran: Das Erscheinen
einer französischen Gesandtschaft rückte die Entfremdung der lothringischen
Bistümer und Städte vom Reich den Ständen wieder stärker ins Bewußtsein,
und so wurde die Forderung ihrer Restitution mit Ferdinands Zustimmung
zum Beratungspunkt. Ferner mußte die prekäre Situation im Baltikum bzw. das
Problem, ob und wie man den dort bedrängten Mitgliedern des Reichs zu Hilfe
kommen sollte, erörtert werden. Nebenher informierte Ferdinand schon am
Tag nach der Eröffnung den Kurfürstenrat über den Stand seines Konfliktes mit
der Kurie wegen seiner Kaiserproklamation, doch wurde das von beiden Seiten
als nur die Kurfürsten interessierende Angelegenheit betrachtet, die Erklärung
wurde darum im Gemach des Kaisers vorgetragen8.
Nicht nur wegen des Konfliktes mit dem Papst, auch im Blick auf die politi-
sche Situation in Europa und wegen der beginnenden Verhärtung der Fronten
zwischen den Konfessionen, zu der polemische Schriften wie z.B. einige Publi-
kationen von Staphylus über das Wormser Colloquium beitrugen9, waren die
Aussichten, diesmal Fortschritte in der Religionsfrage erzielen zu können, kei-
neswegs günstig. Es war indessen unumgänglich, das Thema auf die Tagesord-
nung zu setzen, weil der Abschied des Regensburger Reichstages vorsah, daß
die Ergebnisse der Wormser Tagung Ausgangspunkt neuer Beratungen werden
sollten; nur gebrach es nun wegen des Mißerfolges an Anknüpfungsmöglich-
keiten. Es war vielmehr zu befürchten, daß die in Regensburg beschlossene
Offenlegung der Akten des Religionsgesprächs den Streit zwischen den Konfes-
sionen, wer für das Scheitern verantwortlich sei, neu entfachen würde. Nicht
nur am Kaiserhof, auch in Dresden wurde diese Gefahr gesehen, aber die kur-
sächsische Anregung, die Sache einfach mit Stillschweigen zu übergehen,
mochte Ferdinand wegen der eindeutigen Vorgaben des Regensburger Ab-
schieds nicht befolgen10. Einen einfachen Ausweg aus dem Dilemma hat man
am Kaiserhof nicht gefunden.
In der am 3. März verlesenen Proposition11 wurde nachdrücklich betont, das
Wormser Gespräch sowie die umfassende Unterrichtung aller Reichsstände
über seinen Verlauf seien in Regensburg zu dem Zweck beschlossen worden,
6 VD 3, S. 84f (v. 21.1.1559)
7 Ernst, Bw. 4, S. 556 Anm. 1
8 Kluckhohn, Briefe 1, S. 34
9 Bundschuh, S. 542ff; Kurze, S. 61
10 Wolf, Protestanten, S. 162
11 HHStA Wien, RK RTA 42, fol 62r-69r; sehr kurzes Referat bei Wolf, Protestanten, S. 163f
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien