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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 319 -
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Die Ausgangssituation 319 damit die Stände dem Kaiser Vorschläge machen könnten, was zur Überwin- dung der Streitigkeiten und Wiederherstellung der Einheit in der Religion för- derlich sei. Da das Colloquium die erhofften Früchte leider nicht gebracht habe, sei die Aufgabe, auf welche Weise der nun vierzig Jahre andauernde Zwiespalt überwunden werden könne, so dringend wie zuvor. Es wurde mitgeteilt, die organisatorischen Voraussetzungen für die Verlesung der Akten seien geschaf- fen und auch das Präsidium sei präsent, um Auskünfte zu erteilen; aber mit der Wendung „wofern sy es [die Stände das Aktenstudium] fur notwendig erachten werden“, ließ Ferdinand durchblicken, daß er sich davon wenig versprach12. Ein eigener richtungweisender Vorschlag wurde in der Proposition nicht unter- breitet, obwohl man Ferdinand einen solchen Schritt anscheinend zugetraut hat. Von den seinerzeit im Passauer Vertrag angeführten vier Wegen war das Collo- quium durch den Wormser Fehlschlag diskreditiert. Der von Ferdinand in Re- gensburg zeitweilig favorisierte Gedanke, direkte Gespräche der Reichsfürsten unter seiner Leitung, gewissermaßen die Überwindung des Zwiespalts durch den Reichstag selbst, war – abgesehen davon, daß eine viel höhere persönliche Präsenz der Fürsten Voraussetzung war – wegen der Attacken aus Rom nicht erneuerbar, die geistlichen Fürsten hätten sich zweifellos verweigert, ja verwei- gern müssen. Bemerkenswerterweise hat Herzog Christoph von Württemberg in seiner Hauptinstruktion diesen Weg ernsthaft erörtert und empfohlen, wobei er Ferdinand die Rolle der Kaiser Konstantin und Theodosius einräumte13. Da Ferdinand das Nationalkonzil weiterhin ablehnte, blieb das Generalkonzil als einzige Alternative übrig. Münsters Bischof Bernhard von Raesfeld beispiels- weise zog in seiner generellen Instruktion diese Konsequenz und empfahl, von Reichs wegen den Papst zu ermahnen, schnellstens und möglichst „in der Teut- schen nation“ ein Konzil auszuschreiben14. Aber Ferdinand sprach die Schluß- folgerung in der Proposition – vermutlich aus taktischen Erwägungen – nicht aus. Angesichts seiner gespannten Beziehungen zum amtierenden Papst mochte zu diesem Zeitpunkt eine Konzilsinitiative von seiner Seite wenig überzeugend geschweige denn aussichtsreich erscheinen; es war vorteilhafter, wenn das Stichwort von ständischer Seite gegeben wurde und er sich dann nur anzu- schließen brauchte. So begnügte sich der Kaiser mit der nicht mehr neuen Auf- forderung an die Stände, über Mittel und Wege zur Überwindung des Zwie- spalts nachzudenken, und der Zusage, er wolle seinerseits gern dabei mithelfen. 12 Schon von Häberlin 4, S. 13 wurde diese Vermutung geäußert, die durch einen Brief von Zasius an Christoph von Württemberg vom 27.3.1559 gestützt wird (Ernst, Bw. 4, S. 628). Die würt- tembergischen Räte hatten aus Bemerkungen ihrer kaiserlichen Kollegen vor der Bekanntgabe der Proposition herausgehört, daß man katholischerseits die Publikation gern verhindern wolle (Ebda, S. 616 Anm. 2). 13 Er wisse keinen besseren Weg, „dann das ir kei. mt. als ein fridliebender keiser soliche spaltun- gen selbs eigner person oder gleichergestalt in personlicher gegenwürtigkeit etlicher chur- und fürsten von articul zu articuln selbst allergnedigst angehört und pro und contra die bericht und gegenbericht ... bei sich selbs weiter bewogen, welcher teil in den hauptarticuln der leer halben der heiligen, göttlichen, prophetischen und apostolischen geschrift zum nechsten und darinnen gegründt were.“ (Ernst, Bw. 4, S. 597) 14 NWStA Münster, Msc II Nr. 80, fol 90r-98r: Instruktion für die Gesandten zum Augsburger Reichstag, Ahaus, 14.1.1559 (Kopie); die das Konzil betr. Passage gedruckt bei Keller 1, S. 351f CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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