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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 320 -
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Kapitel 5: Der Reichstag in Augsburg 1559320 Die Meldung der hessischen Gesandten, der Kaiser habe die Absicht, „ein neues Interim oder Nottull in der Religion, wie es bis zu entlicher vergleichung möchte gehalten werden, uffs papier bringen“ und den Ständen „vorhalten zu lassen“, das von Witzel, Staphylus und anderen bereits ausgearbeitet werde, entbehrte jeder Grundlage15. In der gegebenen Situation waren die Aussichten für Ferdinand, in der Religionsfrage weiterzukommen, doch nur sehr gering16. Hinzu kam, daß gerade Ende Februar 1559 bei Ferdinand das Türkenpro- blem wieder in den Vordergund rückte. Das dokumentieren sowohl die Propo- sition, in der viel mehr Raum auf diesen zweiten Hauptpunkt verwendet wurde, als auch die Tatsache, daß Ferdinand in seiner Ansprache nach der Verlesung viel ausführlicher über die Türkennot redete als über die Religionsfrage17. Schon in den Tagen vor der Eröffnung des Reichstages hatte der kurpfälzische Gesandte den Eindruck gewonnen, der Kaiser werde „villeicht den articul der turkenhilf vor andern urgirn“ und damit die Protestanten überfahren18. Die Ursache war ein verheerender Einfall der Türken in Kroatien und das Herzog- tum Krain Ende Januar, bei dem sie nach Ferdinands Darstellung rund 10000 Menschen verschleppt haben sollten. Dadurch war die Erwartung, die an der Pforte geführten Friedensgespräche könnten zum Erfolg führen, auf ein Mini- mum reduziert worden. Vielmehr sah man am Kaiserhof darin eine zusätzliche Bestätigung für die schon in Regensburg vertretene Ansicht – und sie wurde in der Proposition auch wieder ausgesprochen –, daß dieser Feind mit unregelmä- ßigen Hilfsleistungen nicht nachhaltig abgewehrt werden könne. Im Vorfeld des Reichstags hatte man präzisere Vorstellungen über Größe und Finanzierung eines stehenden („harrigen“) Heeres entwickelt, damit man bei Angriffen der Türken sofort geübte Truppen zur Verfügung hätte. Es sollte ca. 12000 Mann umfassen, die Kosten sollten die habsburgischen Länder zu 65%, das Reich zu 35% tragen und jeweils für drei Jahre bewilligen, den Oberbefehl sollte ein Sohn des Kaisers übernehmen19. So wurde nach längeren Darlegungen, warum die in Regensburg bewilligten Hilfen unzureichend gewesen waren, die den Ausführungen zum Thema vor den Kurfürsten in Frankfurt entsprachen, eine „beharrliche“ Hilfe für vier Jahre beantragt, und zwar in Höhe eines doppelten Romzuges für jedes Jahr20. Daraus sollte eine schlagkräftige Truppe finanziert werden, deren Oberbefehl zu übernehmen König Maximilian bereit sei – eine elegante Lösung für eine schwierige Einzelfrage, denn gegen die Nominierung seines beliebten ältesten Sohnes war kaum Widerspruch zu befürchten. Der Hinweis, die Stände der Erblande hätten trotz ihrer finanziellen Erschöpfung ihrerseits Türkenhilfe für vier Jahre bewilligt21 in der Hoffnung, die Reichs- 15 HStA Marburg, PA 1275, fol 7v-9r: Bericht v. 21.2.1559 (Kopie); das Zitat fol 8r. 16 Zasius’ Brief an Herzog Christoph v. 27.3.1559 (wie Anm. 12) bringt das erstaunlich offen zum Ausdruck. 17 Referat seiner Ansprache (durch den kurpfälzischen Gesandten) bei Kluckhohn, Briefe 1, S. 11; vgl. auch Ernst, Bw. 4, S. 616 18 Kluckhohn, Briefe 1, S. 4 u. S. 7 (Dr. Heyles an Kurfürst Friedrich, Augsburg, 28.2.1559) 19 Heischmann, S. 21–23; er weist das Gutachten Gienger zu. 20 Die Ausführungen zur Türkenhilfe in der Proposition (s. Anm. 11) fol 63v-66v 21 Zu den Einzelheiten Schneider, Mitwirkung, S. 130f CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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