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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 324 -
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Kapitel 5: Der Reichstag in Augsburg 1559324 Kurfürsten es bei einer Bestätigung des Passauer Vertrages belassen38. Im Für- stenrat wurden zwei abweichende Vorschläge gemacht: Württemberg regte nun an, doch die „christliche Consultation und Collation, welcher die K. Mt. selbsten beiwohnen und beiderseits Theologi anhören sollt“, abzuhalten, wie es im Regensburger Abschied vorgesehen sei39; andere Stände empfahlen, weil der Kaiser sich erboten habe, „auf mittel und wege zu denken“, solle er ersucht werden, einen Vorschlag zu unterbreiten40. In internen Beratungen der Prote- stanten setzten die Kurfürsten sich dann durch41. In dem Bedenken der Reichs- stände zur Religionsfrage, in dem beide Konfessionen ihre Schlußfolgerungen darlegten, erklärten also die Protestanten, sie wüßten zur Zeit kein anderes Mittel „zu finden und furzuschlagen“, als es beim Passauer Vertrag und dem in Augsburg beschlossenen Religionsfrieden zu lassen, so daß ein Teil mit dem anderen „geduldt trage“ und man friedlich neben einander sitze, bis Gott den Reichstag (Kaiser und Stände) fruchtbare Lösungen finden lasse. Die katholi- schen Stände verwiesen dagegen auf das Generalkonzil als das „ordenlich eltist und furtreglichst“ Verfahren, das sich seit frühester Zeit bewährt habe, und baten, „denselbigen weg auf die form und maß“, wie sie seit der Zeit der Apo- stel und dem Niceanum üblich gewesen, „furzunehmen und zu befurdern“. Sollte es Hindernisse dabei geben, sollten Passauer Vertrag und Augsburger Abschied von 1555 weiter gültig bleiben42. Ferdinand ließ sich mit seiner Resolution darauf etwas Zeit, damit die Stände bei der Beratung der anderen Themen vorankämen. Nach einer Woche wurde seine von Seld konzipierte Stellungnahme verlesen43. Dem Verzicht auf weitere Religionsgespräche stimmte er zu und nahm dann das Stichwort Konzil auf. Da auch er diesen Weg für den „ordenlichsten und richtigisten“ halte, wolle er, sofern sich die Gelegenheit dazu biete und die bisher entgegenstehenden Hin- dernisse abgebaut werden könnten, als Kaiser das Zustandekommen nach Kräften fördern. Als Hauptthemen nannte er eine Reform „der gaistlichen und weltlichen so wool in heuptern als in gliedern“ und die Abstellung aller unrich- tigen Lehren und Mißbräuche. Mit dieser Reihenfolge tat Ferdinand vor aller Öffentlichkeit die Prioritäten kund, an denen sich seine Konzilspolitik orientie- 38 Kluckhohn, Briefe 1, S. 68 39 Ebda.; vgl. Baumann, S. 204. Im Regensburger Abschied stand das freilich nicht, wohl aber in des Herzogs Instruktion. 40 HStA Marburg, PA 1276, fol 143v: Protokoll (Reinschrift) zum 11.5.1559 41 HStA Marburg, PA 1276, fol 32r: Protokoll zum 12.5.1559 (Konzept); die Reichsstädte wurden erst fünf Tage später über die getrennten Voten informiert (ebda, fol 34v). 42 HHStA Wien, RK RTA 42, fol 85r-87r: Bedenken der Reichsstände vom 20.5.1559 (Datum von Seld) 43 Die protestantischen Berichte nennen den 26. Mai (z.B. Kluckhohn, Briefe 1, S. 73); eines von mehreren Wiener Exemplaren trägt den Vermerk „lectum 27. Mai“ (HHStA Wien, RK RTA 43, fol 179; die anderen ebda. 42, fol 16r/v [Eigh. Entwurf Selds] u. fol 89r/v). CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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