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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 334 -
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Kapitel 5: Der Reichstag in Augsburg 1559334 sichtlich vermied97, erhellt aus den Bemerkungen in der Resolution, eine gründliche Prüfung im einzelnen (particulariter) würde sehr langwierig werden und eingehender juristischer und historischer Erwägungen bedürfen, der Kaiser wolle aber selbstverständlich in so schwierigen Fragen nichts übereilen oder die Parteien „an ihren habenden Rechten und Gerechtigkeiten verkürtzen“. Während beide Gravaminaschriften schon dahin tendierten, den Augsburger Religionsfrieden als Fundament für die zukünftige Rechtsstellung der Religi- onsparteien im Reich zu nehmen, sah Ferdinand I. darin eben nur eine Über- gangslösung – wenn auch von unbestimmter Dauer – auf dem Wege zu dem noch immer festgehaltenen Ziel, die Glaubenseinheit im Reich (und in der Chri- stenheit) wiederherzustellen. Es ist bedeutsam, daß er seine Hoffnung auf das Universalkonzil vor seiner ersten Antwort auf die Gravamina zum Ausdruck brachte. Auf die Indizien, die in naher Zukunft verbesserte Aussichten für ein Konzil möglich erscheinen lassen mochten, wurde bereits hingewiesen98. So konnte Ferdinand derzeit weder eine den Religionsfrieden präzisierende und damit tiefer im Reichsrecht verankernde Diskussion brauchen, noch lag es in seinem Interesse, durch eine Stellungnahme zugunsten einer Religionspartei die andere zu verprellen. Genug, daß er den erneuten Stoß der Protestanten gegen den Geistlichen Vorbehalt abweisen mußte. Natürlich stand er der katholischen Auffassung näher, denn die Wahrung des Status quo, soweit es nur möglich war, war seit 1555 ein Grundzug seiner Politik99. Die Katholiken konnten gleichwohl mit diesem Bescheid zufrieden sein, die Protestanten waren es begreiflicherweise nicht. Sie gerieten aber wenige Tage später durch einen von Eberhard von der Thann, der jetzt die ernestinischen Herzöge von Sachsen vertrat, verschuldeten Eklat in eine mißliche taktische Lage. Thann attackierte im Fürstenrat in scharfer Form, daß ein Geistlicher – der Merseburger Bischof Michael Helding – als Präsident des Reichskammerge- richts fungierte, und spitzte seine Position in einer schriftlichen Vorlage durch Angriffe auf den Papst und das Konzil von Trient so sehr zu, daß sich die Ka- tholiken nicht nur beleidigt fühlten, sondern eine Verletzung des Religionsfrie- dens konstatierten und kurzfristig sämtliche Beratungen des Reichstags boy- kottierten100. In internen Beratungen wurde das provozierende Auftreten Thanns von etlichen evangelischen Delegationen mißbilligt, zumal darin ein Angriff auf eine vom Kaiser vorgenommene Ernennung enthalten war. Das wurde nicht nur von Ferdinand selbst als unerhört empfunden, der mit Recht darauf verweisen konnte, daß auch früher Bischöfe als „Kammerrichter“ fun- giert hatten101. Da eine weitere Eskalation Ferdinands Interessen zuwiderlief, 97 Hierin lag der prinzipielle Unterschied zwischen dem Kaiser einerseits und beiden Konfessions- parteien andererseits (ähnlich Luttenberger, Kurfürsten, S. 263f). Die Ansicht von Urban, Re- stitutionsedikt, S. 135, der Kaiserhof habe das Kernproblem, den divergierenden „Verstand“ des Religionsfriedens, nicht erkannt, teile ich nicht. Ebensowenig war Mangel an Mut das Motiv (so Ritter, Geschichte 1, S. 228). 98 s. oben S. 325f 99 Erinnert sei an die Zasius-Initiative (Kapitel 1, S. 58ff). Ähnlich Heckel, Parität, S. 382f. 100 Zu dem Zwischenfall, dessen einzelne Phasen hier übergangen werden können, vgl. Wolf, Prote- stanten, S. 200ff; Ernst, Bw. 4, S. 670ff, Luttenberger, Kurfürsten, S. 259ff. 101 So im Gespräch mit Kurfürst Friedrich, Kluckhohn Briefe 1, S. 83f CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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