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Verabschiedung der Reichsmünzordnung 351
Es wäre im Sinne des Kaiserhofes gewesen, wenn man die Gesandtschaft
durch eine hochkarätige Besetzung hätte aufwerten können. Das scheiterte
schon während des Reichstages an persönlichen Animositäten der in Aussicht
genommenen Fürsten, die allerlei Staub aufwirbelten. Ferdinand wurde nicht
nur die unangenehme Aufgabe zugeschoben, den ehrgeizigen Bischof von
Augsburg zum Verzicht zu bewegen, nachdem er schon nominiert worden
war211, ohne daß Herzog Christoph, der mit dem Kardinal ein Gespann hatte
bilden sollen, sich danach doch zu der Mission bereitgefunden hätte, er mußte
auch eine persönliche Schlichtung zwischen den beiden Herren auf sich neh-
men212. Herzog Albrecht stellte zu hohe Spesenforderungen213. Die Stände
überließen die Auswahl schließlich dem Kaiser, doch sollte die Gesandtschaft
konfessionell paritätisch besetzt sein. Übernommen haben die Aufgabe endlich
Ludovico Madruzzo, Koadjutor des Bischofs von Trient, und Graf Ludwig von
Stolberg-Königstein, die es aber beide an Renommee mit den zuerst gebetenen
Fürsten nicht aufnehmen konnten. Im „außenpolitischen“ Nebenabschied wur-
den der Grundsatzbeschluß des Reichstags sowie die Regelung der damit ver-
bundenen Finanzfragen niedergelegt214. Der plötzliche Tod Heinrichs II. hatte
zur Folge, daß die Ausführung verschoben werden mußte, denn vorher mußte
eine Kondolenz- und Gratulationsgesandtschaft nach Frankreich reisen.
Verabschiedung der Reichsmünzordnung
Ein positives Ergebnis mit längerfristiger Wirkung erreichte Ferdinand auf dem
Reichstag doch: Die Verabschiedung der lange umstrittenen Münzordnung, die
seit 1551 in ihren Grundzügen fertig war, von Karl V. auch per Edikt verkün-
det, in ihrer Gültigkeit aber von den Kurfürsten bestritten wurde, weil ihr kein
einvernehmlicher Beschluß des Reichstages zugrundeliege. In der Proposition
hatte Ferdinand sich damit begnügt zu verlangen, daß die Ergebnisse des Spey-
rer Deputationstages von 1557 zu dieser Angelegenheit beraten und dann die
Ordnung in Kraft gesetzt werden müsse, um zu übersichtlichen Währungsver-
hältnissen im Reich zu kommen und den – wie er behauptete – durch schlechte
Münzen verursachten wirtschaftlichen Schäden zu steuern215. Ferdinand
drängte, obwohl die Beratungen in Speyer in eine Richtung gegangen waren, die
seinen landesfürstlichen Interessen weniger entsprach216; aber er hatte im Jahr
1556, als er die Umsetzung der Grundsätze von 1551 in seinen Erblanden de-
kretiert hatte, schnell die Erfahrung gemacht, daß sein Alleingang nur mit
Nachteilen verbunden war217. Als der Reichstag die Beratungen im Juli wirklich
211 Zasius hat durch allerlei Geschäftsordnungstricks versucht zu verhindern, daß dieses Ansinnen
an Ferdinand vom Reichstag beschlossen wurde (HStA Marburg, PA 1276, fol 149v-150v: Pro-
tokoll zum 19.5.1559, Reinschrift).
212 Kluckhohn, Briefe 1, S. 70f; Siebert, S. 168f; Ernst, Bw 4, S. 658 mit Anm. 3
213 Bucholtz 7, S. 461
214 Neue Sammlung 3, S. 181, §§ 1–7
215 Proposition (wie Anm. 11), fol 68r/v
216 Zu den Beratungen in Speyer Christmann, S. 72f
217 v. Schrötter, Teil 2, S. 108f
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien