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Kapitel 5: Der Reichstag in Augsburg
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schaftlich erwiesen sei, sich schriftwidrig über alle weltliche Obrigkeit erhoben
habe – Melanchthons Ausführungen dazu waren rezipiert worden262 –, be-
schloß ihre Ausführungen.
Wenige Tage später starb Paul IV. Wie bereits dargelegt, hatte Ferdinand
längst Schritte eingeleitet, um mit der Kurie bzw. dem Nachfolger unter Wah-
rung seines Standpunktes, der rechtmäßige Kaiser zu sein, ins reine zu kom-
men263. Die Ratschläge der Kurfürsten kamen zu spät, auf seine Politik gegen-
über Rom haben sie keinen wesentlichen Einfluß ausgeübt, allenfalls mochte
Ferdinand sich in seinem eingeschlagenen Kurs bestätigt fühlen.
Gemessen an der langen Dauer des Reichstages waren die positiven Resultate
für Ferdinand doch recht bescheiden. Die Reichsversammlung brachte in den
für ihn entscheidenden Fragen keine wirklich gewichtigen Fortschritte, sie war
kein politischer Neubeginn, und es war dem neuen Kaiser nicht gelungen, zu-
kunftsträchtige Impulse zu geben. So könnte die Meldung des venezianischen
Gesandten, Kaiser Ferdinand sei mit den Ergebnissen sehr unzufrieden, im
großen und ganzen zutreffend sein264. Ein Reichstag war für den Kaiser ja mit
hohen Unkosten verbunden, und seit er zur Konferenz mit weisungsgebunde-
nen Räten zu degenerieren drohte, für den persönlich anwesenden Herrscher
alles andere als ein Vergnügen. Sein Nutzen schien in der Zukunft noch gerin-
ger, denn es war wahrscheinlich, daß die Protestanten ihren diesmal abgewehr-
ten Versuch, die Freistellung durch Verschleppung aller anderen Probleme zu
erzwingen, wiederholen würden. So ist die Einberufung eines neuen Reichstags
in den restlichen Regierungsjahren Ferdinands zwar gelegentlich erwogen wor-
den, insbesondere im Zusammenhang mit den Sondierungen zur Sicherung der
Nachfolge Maximilians im Reich, aber ohne besonderen Nachdruck. Den Vor-
zug erhielt ein Kurfürstentag. Obwohl die Kurfürsten zu einigen der ihnen
vorgetragenen Probleme nicht dezidiert Stellung nehmen wollten, weil sie alle
Reichsstände angingen, wurde die Frage des Kaisers, ob ein Reichstag einzube-
rufen sei, in einer Weise beantwortet, die geringes Interesse erkennen ließ265.
262 s. Kapitel 4, S. 300
263 Kapitel 4, S. 314
264 VD 3, S.95 (v. 2.9.1559)
265 Moser, Wahlkapitulation, S. 934ff, zur Frage nach dem Reichstag bes. S. 940f; zu den Beratungen
der Kurfürsten Luttenberger, Kurfürsten, S. 141ff
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien