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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 365 -
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Ferdinands Positionen während der Regierungszeit Karls V. 365 das Memorandum dürfte Ferdinand ebenso bekannt gewesen sein wie Kardinal Cles, der es nach Rom übermittelte38. Um der Kurie die Lage in Deutschland zu verdeutlichen, ging Fabri auf etliche Lehrpositionen der evangelischen Theolo- gen ein und regte die Bereitstellung ihrer wichtigen Schriften sowie die Beru- fung einer Kommission an, die die Irrtümer der Evangelischen exzerpieren sollte; endlich riet er dringend, mit der Abstellung der ärgsten Gravamina der Deutschen Nation nicht bis zum Konzil zu warten, ohne aber konkret zu wer- den39. In einem von Fabri und Nausea im Februar 1537 für Ferdinand verfaßten Gutachten kehrt die Überlegung, sich mit den Lehren der Gegenseite vertraut machen zu müssen, in Gestalt des Vorschlags wieder, die königliche Konzilsge- sandtschaft mit einer Handbibliothek auszustatten, die sowohl wichtige katho- lisch-theologische Literatur als auch Schriften der verschiedenen evangelischen Richtungen (Lutheraner, Zwinglianer, Täufer) enthalten müsse, und ferner die Akten der Konzilien von Basel und Konstanz40. Ferdinand wurde von seinen theologischen Ratgebern mithin dahin beeinflußt, sich auch an jenen beiden der Kurie mißliebigen Kirchenversammlungen zu orientieren. Die vom Salzburger Erzbischof Matthäus Lang einberufene Provinzialsyn- ode zur Vorbereitung des Konzils bot Ferdinand Gelegenheit, seine Vorstellun- gen von der Kirchenreform zu präzisieren, denn die weltlichen Fürsten, für deren Länder die Bischöfe der Salzburger Kirchenprovinz zuständig waren, waren eingeladen worden, Anregungen einzureichen41. Die Instruktion des Königs dokumentiert, welche Punkte er für beratungs- und verbesserungsbe- dürftig hielt42. An theologischen Streitfragen, über die eine Meinungsbildung im Blick auf das Konzil angezeigt sei, damit man dort den Argumenten der Abge- fallenen entgegentreten könne – Ferdinand rechnete also mit der Teilnahme von Protestanten am Konzil –, wurden die Trinitätslehre, die sieben Sakramente und ihre Begründungen, ferner der Stellenwert der „menschlichen Setzungen“, be- sonders die Genehmigung von Priesterehe und Communio sub utraque, ge- nannt43. Ferner war Ferdinand der Ansicht, die Synode solle auch schon die Kirchenreform in Angriff nehmen. Da es angesichts der politischen Spannungen nicht sicher sei, ob das Konzil zustandekäme und wann es beendet werden könne, möge man „dazwischen hailsame sinodales constitutiones zu erhaltung unserer heiligen waren religion, ausreitung der irrsal, abstellung eingedrungener misspreuch und widerpflanzung rechter gaistlicher andacht, zucht und erbar- keit“ beraten und beschließen und bis zu ihrer Bestätigung durch Konzil oder Papst auch schon befolgen44. Auf die anderen Kirchenprovinzen in Deutsch- land werde es vorbildlich wirken, wenn die Salzburger Synode „sich selbs in capite et membris nach dem geist und willen gotes mit gueter ordnung refor- 38 NB I 2, S. 78 Anm. 39 CT 4, S. 10–23; vgl. Jedin, Reformprogramm Nauseas, S. 229f 40 HHStA Wien, RK RelA 5, fol 13–26; jetzt abgedruckt in ARC 2, S. 547ff (Nr. 133) 41 Vgl. ARC 2, S. 357ff (Mühldorfer Rezeß v. 15.1.1537), bes. S. 359. Ferdinands Annahme der Einladung (v. 20.2.1537) ebda, S. 374 42 ARC 2, S. 468–476 (Nr. 101) 43 Ebda, S. 470 44 Ebda, S. 469, Z. 30–33; das folgende Zitat S. 470, Z. 10–12 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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