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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 368 -
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Kapitel 6: Religiöse Eintracht und Reform der Kirche368 der politischen Zwietracht im Reich durch Wiedergewinnung der Einheit in der Religion erstrebe und fördere59. In seinem Bericht an den Kaiser über die Vorschläge des Kurfürsten ging Ferdinand auf Einzelheiten nicht ein. Er bat die beiden obersten Häupter der Christenheit um Zustimmung zu gütlichen Verhandlungen mit den Abgewi- chenen „sur les affaires de la religion, sans toutesfois aulcunement toucher aux articles de la foy, ains seullement aux aultres menutez qui sont en question“60. Eine Verständigung mit den protestantischen Fürsten über diese minder wichti- gen Differenzen in der Religion werde jene zur Anerkennung des Konzils ver- anlassen61. Das bedeutet aber, daß die theologisch-dogmatischen Probleme dem Konzil vorbehalten bleiben sollten, während die mit Morone erörterten Punkte nach Ferdinands Meinung die Substanz des Glaubens nicht berührten. Der König von Böhmen, der nun seit mehr als zehn Jahren auch über zahlreiche Untertanen gebot, denen der Laienkelch vor langer Zeit zugestanden worden war62, hatte in dieser Frage jetzt seine Position gefunden, während die Instruk- tion zur Salzburger Synode die Richtung allenfalls andeutete. Darin bestärkt haben dürfte ihn das Ergebnis der Rundreise des nicht gerade zu Konzilianz neigenden Reichsvizekanzlers Held bei den katholischen Fürsten, von dem Morone im Herbst 1537 berichtete, er halte nun ein Entgegenkommen der Ku- rie in den „minder bedeutenden“ Dingen Laienkelch und Priesterehe für gera- ten63. Die Entscheidung, dem Anerbieten Joachims näherzutreten, hat Ferdinand offenbar unabhängig von seinen führenden Ratgebern geistlichen Standes ge- troffen. Cles war ein paar Wochen vorher vom Hof abgereist64; Fabri lehnte Religionsgespräche ab, was möglicherweise gerade jetzt eine gewisse Abküh- lung seiner Beziehung zum König zur Folge gehabt hat65; und auch Nausea hat von der Gesprächspolitik der Habsburger wenig gehalten und die Aussichten für eine Konkordie mit den Lutheranern als sehr gering eingeschätzt66. Wie sich bald herausstellte, betrachtete Kurfürst Joachim als Voraussetzung für Einigungsgespräche über die Religion einen „bestendigen“ und „satten“ Frieden für die Protestanten, um das allgemeine Mißtrauen im Reich und insbe- sondere das gegen die beiden Habsburger abzubauen und die Abwehrfront gegen die Türken zu schließen. Als weiterer Schritt könne „alsdan unter dem 59 NB I 2, S. 300 60 NB I 4, S. 445–448: F. an K., Breslau, 3.6.1538 (das Zitat S. 447) 61 „Et nest aussi a doubter que estans conclud le dict differend de la religion avec les dicts princes, lon les induyroit de condescender au dict concille.“ (Ebda, S. 448) 62 Ferdinand hat die Kompaktaten als geltendes böhmisches Recht anerkannt (Constant, Concessi- on 1, S. 29f). 63 NB I 2, S. 220f: Bericht Morones v. 12.10.1537; vgl. zu Helds Meinung auch seinen Bericht v. 23.10.1539 bei Dittrich, Nr. 21, S. 38 64 Meldung Morones v. 2.4.1538 (NB I 2, S. 267) 65 Radey, S. 309f, der darauf hinweist, daß Ferdinand sich nicht bereit gefunden hat, Fabri das am 30.6.1538 vakant gewordene Amt des niederösterreichischen Kanzlers zu übertragen. 66 In einer 1544 verfaßten Denkschrift für Ferdinand erklärte Nausea, er sei immer gegen private oder öffentliche Religionsgespräche gewesen. (Teildruck bei Pastor, Unionsbestrebungen, S. 495ff, bes. S. 496; zeitliche Einordnung bei Cardauns, Geschichte, S. 193). CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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