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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 369 -
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Ferdinands Positionen während der Regierungszeit Karls V. 369 schatten dieses friedens ... auch die zimbliche und christliche wege gesucht, domit die innerliche gewissen und zwispalt des glaubens zu einmutigem ver- stande und die heilige christliche kirchen zu warer gotlicher und christlicher einigkeit und gehorsam mocht gebracht werden“, und zwar durch Gespräche zwischen vom Kaiser zu berufenden „schiedlichen und unparteihischen perso- nen“67. Ob Ferdinand die Intention des Brandenburgers „mißverstanden“ hat oder ob Joachim die seiner Konzeption innewohnende Priorität in Bautzen „nicht hinreichend deutlich gemacht“ hat68, mag dahingestellt bleiben. Wichtig ist, daß Ferdinand die Idee bejahte, Wege zur Wiedergewinnung der religiösen Einheit in Deutschland neben dem Konzil zu erproben, und daß sie von Kaiser und Papst akzeptiert worden ist. Doch sollte sich in Hagenau, Worms und Regensburg dann zeigen, daß sowohl Joachim II. als auch Ferdinand irrten, wenn sie meinten, bei allseits gutem Willen sei der religiöse Dissens zu über- winden und die konfessionspolitischen Interessen beider Seiten könnten zu- rückgedrängt werden69. Ferdinands Politik im Jahr 1539 bedürfte einer genauen Untersuchung, um beurteilen zu können, ob das Ausscheiden von Cles – er starb am 30. Juli 1539, war aber schon im Januar als Oberster Kanzler Ferdinands endgültig zurück- getreten70 – zu einer Phase unsicheren Schwankens geführt hat. Jedoch hat auch die Reichspolitik Kaiser Karls in diesem Jahr einen tastenden Charakter; zeit- gleich zu den Verhandlungen, die am 19. April 1539 zum „Frankfurter An- stand“ führten71, ratifizierte er am 20. März den als katholische Defensivliga konzipierten Nürnberger Bund72. Ferdinand beurteilte jenes Abkommen mit den Protestanten kritisch-reserviert, denn er hatte Zweifel, ob es beiden Seiten möglich sein würde, für die vereinbarten und sogleich zum 1. August in Nürn- berg angesetzten Gespräche mit dem Ziel einer „gut christlich und entlich ver- gleichung“ in der Religion binnen drei Monaten friedliebende und „nicht aigen- sinnig, zänckisch, hartnäckisch leut“ als Gesandte und Theologen zu finden73. Bekanntlich wurde nichts aus dem Religionsgespräch in Nürnberg, da der Kai- ser den Frankfurter Anstand nach Protesten der Kurie, über deren Mitwirkung keinerlei Aussage gemacht war, nicht ratifizierte. Unter dem Einfluß Morones, der ein deutsches Nationalkonzil befürchtete und die aktuelle Politik der Habs- burger gegenüber den Protestanten als viel zu nachgiebig kritisierte74, entschied sich Ferdinand im Dezember gegen die ihm von Karl anheimgestellte Berufung der Stände zu Gesprächen und warnte den Bruder, zu einer Tagung einzuladen, die von den Protestanten auf den Frankfurter Anstand bezogen werden könnte. 67 NB I 4, S. 499–504: Joachim an Ferdinand, 26.12.1538 (das Zitat S. 501f). Das Stichwort „be- stendiger friede“ schon in Joachims Schreiben vom 18.6.1538 (ebda, s. 408f). 68 Ersteres meint Rosenberg, S. 74, letzteres Luttenberger, Glaubenseinheit, S. 187. 69 Luttenberger, Glaubenseinheit, S. 189f 70 Rill/Thomas, S. 25 71 Grundlegend noch immer die Studie von Fuchtel. Wortlaut bei Neuser, S. 75–84 72 Baumgarten, Bund, S. 279; Press, Bundespläne, S. 69 nennt versehentlich den 20. Mai als Datum. 73 NB I 4, S. 461–464: F. an K., Prag, 3.6.1539. Seine nach außen zur Schau getragene Zufrieden- heit, von der der päpstliche Beobachter berichtete (ebda, S. 31), hat Fuchtel, S. 191 überbe- wertet. 74 Vgl. seine Berichte vom September und Oktober bei Dittrich, z.B. S. 22ff, 35, 38 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
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