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Wiederaufnahme des Konzilsgedankens 383
logen auf den Weg nach Trient174. Wenn Ferdinand während des Reichstages
mit dem sächsischen Gesandten Karlowitz über ein neues Colloquium disku-
tierte, dürfte er nur bezweckt haben, den sächsischen Widerstand gegen jene
Verpflichtung abzubauen, indem er die Aussichtslosigkeit solcher alternativer
Ideen verdeutlichte175.
Doch dann fand das Konzil wegen des Fürstenaufstandes gegen Karl V. ein
jähes Ende. Auch das Interim wurde nach der Niederlage des Kaisers de facto
außer Kraft gesetzt. Die Vereinbarungen von Passau veränderten die Prämissen
für die Reunionspolitik grundlegend. Die Bemühungen Ferdinands, den Zwie-
spalt in der Religion im Reich von dieser neuen Basis her zu überwinden, sind
bereits besprochen worden. Die Einschätzung des Religionsstreites als funda-
mentale Störung von Frieden, Recht und Ordnung, wie sie im Gutachten der
königlichen Räte von 1547 zum Ausdruck gebracht ist, mag erklären, warum
der König trotz aller Mißerfolge das Ziel weiter angestrebt und den Glauben an
seine Erreichbarkeit festgehalten hat.
Davon zu unterscheiden ist seine Religionspolitik in seinen österreichischen
Erblanden. Dort erließ er 1554 ein Generalmandat, das die Kommunion unter
beiderlei Gestalt unter Strafe stellte, und verbat sich ständische Kritik an seinen
landesherrlichen Verordnungen176. Angesichts der bedrohlichen Situation an
der Türkenfront mußte er sich 1556 zwar nachgiebiger zeigen, machte aber klar,
daß ihm der Augsburger Religionsfrieden das Recht gäbe, alle auszuweisen, die
sich seiner Anordnung widersetzen würden, die katholische Religion auszu-
üben177.
Wiederaufnahme des Konzilsgedankens
Als Ferdinand nach dem Scheitern des Wormser Colloquiums eine Anregung
des Bischofs Otto von Augsburg aufgriff und die deutschen Erzbischöfe auf-
forderte, über kirchliche Reformmaßnahmen nachzudenken, mochte dies als
momentan einzige Möglichkeit erscheinen, weil man infolge der politischen
Verstrickungen der Kurie unter Paul IV. keine Anzeichen für eine päpstliche
Reforminitiative hatte178. Zwei Jahre später, während des Reichstages in Augs-
burg, drängte der Kaiser alle geistlichen Stände, zu Taten zu schreiten, zumal er
darauf verzichten mußte, das Generalkonzil im Abschied zu erwähnen179.
Schneller jedoch, als damals vorauszusehen war, rückte die allgemeine Kirchen-
versammlung in einen Brennpunkt der internationalen und damit der kaiserli-
174 H. Meyer, Protestanten, passim
175 Druffel 1, S. 572f: Brief Karlowitz’ v. 9.2.1551; Luttenberger, Glaubenseinheit, S. 558 Anm. 190
setzt die Akzente etwas anders.
176 Bucholtz 8, S. 196. Er setzte damit Empfehlungen der Mühldorfer Provinzialsynode vom De-
zember 1553 um (Constant, Concession 1, S. 48 u. S. 63).
177 Ziegerhofer, S. 61
178 Vgl. Kapitel 2, S. 204f. Wie Jedin, Kirchenreform, S. 421f, gezeigt hat, dachte Paul IV. an ein
„Laterankonzil“ für eine Reform der Kirche. Mit einem Konzil solchen Zuschnitts konnte Fer-
dinands Zielen nicht gedient sein.
179 Kapitel 5, S. 338f u. S. 326f
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien