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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 384 -
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Kapitel 6: Religiöse Eintracht und Reform der Kirche384 chen Politik. Den ersten richtungweisenden Schritt tat das Kardinalskollegium, als es am 8. September 1559, wenige Wochen nach dem Tode Pauls IV., be- schloß, den Nachfolger zu verpflichten, sich sowohl durch ein allgemeines Konzil als auch durch andere geeignete Maßnahmen um die Ausrottung der Häresien sowie der Mißbräuche in der Kirche zu bemühen und dafür zu sor- gen, daß die gesamte Kirche und mit ihr die römische Kurie reformiert wür- den180. Ferdinand dürfte den Beschluß mit Genugtuung zur Kenntnis genommen haben, hatte er doch seinen als Beobachter zum Konklave entsandten Bot- schafter Franz von Thurm instruiert, namens des Kaisers die Kardinäle zur Wahl eines Papstes aufzufordern, der baldigst ein Konzil berufe sowie die Re- form der Kirche einleite und durchführe, und dafür die Unterstützung des Kai- sers zuzusagen181. Wie bereits dargelegt wurde, war das von Ferdinand mit der Entsendung Thurms primär verfolgte Ziel, während der Vakanz auf dem Stuhl Petri die Mißachtung seines Kaisertums durch die Kurie zu beseitigen182. Mit Rücksicht darauf, aber auch um den Vorwurf unerlaubter Einflußnahme zu vermeiden, unterließ es Ferdinand, ihm geeignet erscheinende Kandidaten zu nennen, obwohl er natürlich daran interessiert war, nicht nochmals einen Geg- ner des Hauses Habsburg als Papst zu erleben. Thurm sollte darum betonen, es gäbe unter den Kardinälen mehrere würdige Persönlichkeiten, und er sollte in aller Stille in Kontakt mit den deutschen, spanischen und einigen als kaiserlich gesinnt geltenden italienischen Kardinälen sowie mit dem Orator Philipps II. in Rom die Wahl „ungeeigneter“ Kandidaten zu verhindern suchen183. Ein weite- rer Grund für Ferdinands Zurückhaltung in der Personenfrage könnte der Um- stand gewesen sein, daß er die wenigsten Purpurträger persönlich kannte – au- ßer den „deutschen“ Kardinälen Cristofero Madruzzo (von Trient) und Otto Truchseß von Waldburg (von Augsburg) nur jene, die ihm als Diplomaten be- gegnet waren, an erster Stelle Morone184. Auch nachdem Thurm die Namen einiger „Papabili“ gemeldet hatte185, be- hielt Ferdinand seine Linie bei. Noch am 12. Oktober lehnte er das Gesuch des Herzogs von Mantua, er möge sich für dessen Onkel, Kardinal Ercole Gon- zaga186, einsetzen, mit dem Argument ab, er wolle dem Heiligen Kollegium keine Vorschriften machen oder Fingerzeige geben, wessen Wahl er wünsche, weil eine Beeinflussung von Kardinälen eine Verletzung der Regeln des Kon- 180 Sickel, Konzil, S. 12f; Datierung nach Pastor, Päpste 7, S. 22 181 „... ut quamprimum optatum liberum et oecumenicum concilium indicatur ac summe necessaria reformatio universalis instituatur et ad effectum perducatur...“ (Sickel, Konzil, S. 4–8: Instrukti- on für Thurm v. 15.7.1559, das Zitat S. 6). 182 Kap. 4, S. 314 183 wie Anm. 181 184 Bezeichnend ist, daß Ferdinand 1555 nach dem Tod Marcellus’ II. den beiden deutschen Kardi- nälen eben die Wahl Morones nahegelegt hat (Siebert, S. 152 Anm. 466). 1559 war jener chan- cenlos, weil noch nicht vom Vorwurf der Häresie rehabilitiert. Ferdinand beauftragte Thurm, sich für Morones Freilassung einzusetzen, was aber nicht mehr erforderlich war (T. Müller, S. 31). 185 Sickel, Konzil, S. 11: Bericht Thurms v. 5.9.1559 186 Gonzaga wurde 1561 zum präsidierenden Legaten des Konzils berufen. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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