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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 385 -
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Wiederaufnahme des Konzilsgedankens 385 klaves bedeute, deren er sich als christlicher Kaiser nicht schuldig machen wol- le187. Als er zwei Tage später die begehrten Empfehlungsschreiben zugunsten Gonzagas an die Kardinäle Madruzzo, Morone und Truchseß doch ergehen ließ, rechtfertigte er seine Meinungsänderung damit, in einem soeben eingegan- genen Brief sei aufgezeigt worden, wie er das auf ehrenhafte Weise tun könne, ohne Mißtrauen zu erregen und jene Regeln zu verletzen188. Wahrscheinlich war es eine von Thurm auf Veranlassung Madruzzos übersandte Aufstellung, nach der die Wahl Gonzagas gesichert erschien, wenn der bislang unentschie- dene Truchseß auf dessen Seite trat, die Ferdinand jene Bedenken zurückstellen ließ – die beiden anderen unterstützten Gonzaga nach dieser Liste sowieso189. Die Rechnung ging jedoch nicht auf, weil der spanische Orator Vargas gegen Gonzagas Wahl opponierte, so daß der Kardinal schließlich auf eine Kandidatur verzichtete190. Thurm, der rechtzeitig davon erfahren hatte, unterließ es, die Schreiben des Kaisers zu übergeben, was von Ferdinand gebilligt wurde191. Um so mehr begrüßte er den von dem erfahrenen Madruzzo ausgehenden Plan, das sich hinschleppende Konklave zum Anlaß zu nehmen, um die Kardinäle als Kaiser zu mehr Eintracht und einer weisen Wahl zu ermahnen und sie aufzu- fordern, die Entscheidung nicht länger zu verzögern: Eine solche Initiative stehe ihm als oberstem Vogt der Kirche vor allen anderen zu, ja gehöre zu sei- nen Pflichten, und er erwarte, daß Thurm diese Position den Kardinälen in seiner Rede verdeutliche192. Die Zurückhaltung Ferdinands und die Umsicht seiner Interessenvertreter Madruzzo und Thurm zahlten sich mithin aus, denn er erhielt durch die Entwicklung in Rom die Chance, seine besondere Stellung als Kaiser in der römischen Kirche in ähnlicher Weise zu betonen, wie Karl V. es nach dem Tode Pauls III. getan hatte193. Es war mehr, als vor Beginn des Konklaves erhofft werden konnte194. Mit der Wahl des Kardinals Angelo de Medici, der sich als Papst Pius IV. nannte195, war man in Wien zufrieden. Er war seit 1554 Vizeprotektor für die österreichischen Erblande und Ungarn, zeitweilig hatte er diese Funktion auch für das Reich wahrgenommen196. Den politischen Kurs Pauls IV. hatte er kriti- siert, und man wußte am Kaiserhof von Äußerungen gegenüber dem Augsbur- ger Kardinal, die Gewährung von Laienkelch und Priesterehe durch ein Konzil oder durch den Papst könne für die Kirche in Deutschland hilfreich und daher 187 HHStA Wien, Rom Varia 2, fol 28r-30r: F. an Herzog v. Mantua (Kopie) 188 Ebda, fol 30v/31r: F. an Herzog v. Mantua, 14.10.1559 (Kopie). Die Empfehlungsschreiben bei Brunner 6/2, S. 389f 189 Brunner 6/2, S. 387f: Thurm an F., 30.9.1559; vgl. T. Müller, S. 148. Thurm hatte 23 Stimmen für Gonzaga angenommen; Müller, S. 68, listet 48 am Konklave teilnehmende Kardinäle auf.- Die Episode blieb nicht geheim, vgl. VD 3, S. 107f: Bericht Soranzos v. 20.10.1559. 190 T. Müller, S. 149f; Pastor, Päpste 7, S. 29 u. S. 37 191 HHStA Wien, Rom Korr. 15, fol 412r/v: F. an Thurm, 17.11.1559 (Konz.) 192 Ebda, fol 415r-416v: F. an Thurm, 3.12.1559 (Konz.) 193 Vgl. Lanz, Corr. 2, S. 639f: Karl V. an die Kardinäle, 20.11.1549 194 Die Meinung, Ferdinand habe sich ganz ins Schlepptau der spanischen Politik begeben (so Herre, S. 64, und andere), ist zu korrigieren. 195 Zu seinem Vorleben Pastor, Päpste 7, S. 58ff 196 Wodka, S. 62f. u. S. 51 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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