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Kapitel 6: Religiöse Eintracht und Reform der
Kirche386
vertretbar sein197. Es wurde bereits dargelegt, wie es nach seiner Erhebung ge-
lang, das Verhältnis zwischen der Kurie und Kaiser Ferdinand umgehend zu
bereinigen198. Die Hoffnung Ferdinands auf einen Papst, mit dem er für das
Wohl der gespaltenen Christenheit besser zusammenwirken könne199, schien
sich zu erfüllen.
Im Gefolge der von Sickel eingeleiteten systematischen Erschließung der
Quellen zur dritten Tagungsperiode des Tridentinums sind bis zum ersten
Weltkrieg einige Studien zu einzelnen Phasen der Konzilspolitik Ferdinands auf
der jeweils erreichten Quellenbasis vorgelegt worden, doch galt das Erkennt-
nisinteresse mehrerer Autoren vorwiegend der Entstehungsgeschichte einiger
Dokumente, die wichtige Initiativen Ferdinands beinhalten200. Im Rahmen
seiner Gesamtdarstellung der Geschichte des Trienter Konzils ist Hubert Jedin
natürlich mehrmals auf die Rolle Ferdinands – als eine unter vielen Kräften,
welche die dritte Tagungsperiode zu beeinflussen suchten – eingegangen und
hat verdeutlicht, wie sich gegen die Intention des Kaisers jene Konzeption
durchsetzte, die dem Konzil als primäre Funktion die Abgrenzung gegenüber
den Protestanten zuwies201. Im Folgenden geht es um den Nachweis, daß Fer-
dinand sich gegen jene Tendenzen stemmte aus seinem Selbstverständnis als
christlicher katholischer Kaiser, aus dem für ihn die Verpflichtung erwuchs, die
Voraussetzungen dafür zu schaffen, damit das Konzil den Weg zur Wiederher-
stellung der Einheit in der Christenheit zeige und ebne. So sind die einzelnen
Schritte des Kaisers zu behandeln, seine Prioritäten, die Entfaltung seiner eige-
nen Konzeption für die Kirchenversammlung, sein Bemühen, ihr Geltung zu
verschaffen, die Modifizierungen infolge kurialen Widerstandes, auch die Gren-
zen, die er selbst seiner Einwirkung gezogen sah, bis zur resignierenden Hin-
nahme der für ihn unbefriedigenden Entwicklung.
Der Kaiser zögerte nicht, dem neuen Papst persönlich durch seinen Sonder-
gesandten Scipio Arco sogleich die Dringlichkeit eines Konzils ans Herz zu
legen202, und Pius IV. äußerte bei mehreren Empfängen seine grundsätzliche
Bereitschaft203. Indem Ferdinand das Thema ansprechen ließ, ohne sich vorher
mit den führenden katholischen Mächten Spanien und Frankreich näher abzu-
stimmen, demonstrierte er in Rom seinen Führungsanspruch neben dem Papst
auf diesem Felde, der im Frieden von Cateau-Cambrésis übergangen worden
war204. Jedoch durfte er, da Philipp II. im Vorjahr das Konzil als einzig richti-
gen Weg zur Lösung des Religionsproblems bezeichnet hatte205, von der An-
nahme ausgehen, die Unterstützung des Neffen zu haben. Franz II. von Frank-
197 Sickel, Konzil, S. 18
198 s. oben Kap. 4, S. 314f
199 So F. an Philipp II. am 24.10.1559 (CDI 98, S. 101)
200 Dies gilt für Sickels Studien sowie die Arbeiten von Loewe, Helle und G. Eder.
201 Vgl. meine Besprechung des 4. Bandes in AKuG 60, 1978, S. 239ff
202 Die Tatsache ist durch Ferdinands Ausführungen vom Juni 1560 (Sickel, Konzil, S. 55) gesichert
(so auch CT 8, S. 8 Anm. 3); zu den Umständen vgl. Ehses, S. 140.
203 Pastor, Päpste 7, S. 143 u. 145
204 s. dazu Kapitel 10, S. 670 Anm. 427
205 „El camino del Concilio es el derechio y verdadero, si á esto se pueden atraer los protestantes“
(CDI 98, S. 80: Philipp II. an Luna zur Weitergabe an den Kaiser, Ende Mai 1559).
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien