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Auseinandersetzungen mit Rom über die Rahmenbedingungen des Konzils 391
Papst sollte verdeutlicht werden, daß das ganze Unternehmen anders angefaßt
werden müsse. Wie bereits erwähnt, erachtete der Kaiser weiterhin die Über-
windung der Kirchenspaltung als die vorrangige Aufgabe, die das Konzil be-
wältigen sollte. Deswegen hielt er trotz der geringen Erfolgschancen an der
Absicht fest, die Protestanten zur Teilnahme an einer allgemeinen Synode zu
bewegen, obwohl er die Vorbedingungen, die sie für ihre Mitwirkung im ver-
gangenen Jahr in Augsburg formuliert hatten, unzumutbar fand.
Ferdinand begrüßte die Absicht des Papstes, ein Konzil abzuhalten, mit der
grundsätzlichen Feststellung, das sei der Königsweg, um endlich wieder Ruhe
für die Kirche zu finden, und erinnerte daran, daß er es durch Scipio Arco an-
gemahnt hatte. Er machte sodann den Verfall der Disziplin bei Geistlichen und
Laien für den Niedergang der katholischen Kirche und die Glaubensspaltung
verantwortlich; das implizierte als vordringliche inhaltliche Aufgabe des Kon-
zils, durch Reformbeschlüsse den anhaltenden Abfall von der Kirche zu stop-
pen. Ferdinand rückte die innerkirchliche Reform an die erste Stelle, und das
blieb ein Grundzug seiner Konzilspolitik. Ein Hinweis auf die Bedrohung der
gesamten Christenheit durch die Ungläubigen sollte bekräftigen, wie wichtig
die Wiedergewinnung der Einheit sei; eben deswegen bedürfe das Konzil aber
sorgfältiger Vorbereitung. Daraus wurde die Empfehlung abgeleitet, die ver-
bindliche Einberufung um mindestens ein Jahr zu verschieben.
Zur Begründung wurden sechs „Hindernisse“ angeführt, die zuvor beseitigt
werden müßten. Der erste Punkt, Beendigung des Krieges zwischen England
und Frankreich, weil Frieden in der Christenheit eine wichtige Voraussetzung
sei, war schon zwei Wochen später durch den Vertrag von Edinburgh erle-
digt230. Die nächsten vier Aspekte zielten alle auf mehr oder weniger gravieren-
de Mängel der bisherigen Trienter Tagungen: Eine wesentliche Ursache für
deren Mißerfolge sei die geringe Beteiligung gewesen, darum müsse die Anteil-
nahme möglichst vieler Könige und Herrschaften sichergestellt werden, wofür
aber einige Zeit benötigt würde231. Im Zusammenhang damit wurde die Schwie-
rigkeit betont, die protestantischen Reichsstände zur Teilnahme zu bewegen232,
und hervorgehoben, sie könnten auf keinen Fall mit Gewalt zum Konzilsbe-
such oder zur Unterwerfung unter dessen Dekrete gezwungen werden; Hin-
weise auf die Gefahren eines Krieges für die Christenheit und den Religions-
frieden dienten zur Begründung (Punkt 2)233. Die Autorität der Synode müsse
gestärkt werden, dafür sei das beste Mittel die persönliche Anwesenheit des
Papstes, wie es bei den antiken Konzilien Brauch gewesen sei (Punkt 3). Gegen
diese Begründung konnten die Protestanten nichts einwenden; es verdeutlicht
außerdem, daß in Ferdinands Konzilsverständnis der Papst zum Konzil gehör-
230 Zur Sache Hassinger, S. 332
231 Die Kritik von Jedin, Konzil 4/1, S. 27, Ferdinand habe nur die Zustände des Reichs gesehen,
geht m.E. fehl.
232 Als Beleg wurden ihre Bedingungen für ein Konzil, die sie während des letzten Reichstages
formuliert hatten, dem Papst in einer Anlage zur Kenntnis gegeben.
233 Im Entwurf war diese Passage viel ausführlicher als in der Endfassung; vgl. dazu CT 8, S. 42
Anm. c
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien