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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 393 -
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Auseinandersetzungen mit Rom über die Rahmenbedingungen des Konzils 393 nötig, in jenen den einfachen Gläubigen wichtigen Punkten – Abendmahl unter beiderlei Gestalt, Zulassung Verheirateter zum Priesteramt, Erleichterung der Fastengebote – Zugeständnisse zu machen. Das wichtigste Argument für die Zulässigkeit solchen Entgegenkommens war der Nachweis, es handele sich dabei um Regelungen aus kirchlicher Setzung und nicht aus göttlichem Recht – bei der Priesterehe wurde die Ordnung der griechischen Kirche als Beleg ange- führt. Wenn die Erlaubnis umgehend erteilt würde, könne damit einer Gefahr für das Konzil, die von beiden Seiten gefürchtet werde, vorgebeugt werden239. Ferner empfahl der Kaiser, der Papst möge schon jetzt Reformen des geistlichen Standes einleiten, und sagte ihm dafür seine volle Unterstützung in seiner Ei- genschaft als advocatus ecclesiae zu. Das Konzil sollte also von einigen schwie- rigen Problemen entlastet werden, außerdem glaubte Ferdinand, vielen werde die Teilnahme durch solche präkonziliare Erfüllung wichtiger Wünsche er- leichtert werden240. Damit waren die Grundlinien der Position Ferdinands deutlich gezogen. Mit seinen drei richtungweisenden Vorschlägen schob er die Verantwortung für die Konsequenzen der zu treffenden kirchenpolitischen Entscheidungen wieder nach Rom. Gleich nach jener Sitzung des Geheimen Rates hatte Ferdinand Hosius für den nächsten Tag zu sich bestellt und ihn ersucht, dem Papst zu schreiben, er solle die Aufhebung der Suspension des Tridentinums ja nicht vornehmen, ehe er die Ansichten des Kaisers dazu erfahren habe; das Gutachten werde in weni- gen Tagen fertig sein241. Die Sorge, vom Papst vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, war offenbar erheblich. Thurms Bericht über die Ansprache Pius’ IV., der Mitte Juni in Wien eintraf, dürfte die Befürchtung verstärkt haben. Die Übergabe des Memorandums an Hosius begleitete Ferdinand mit einer neuen Warnung vor zu großer Eile, statt das Konzil gründlich vorzubereiten, damit nicht Ähnliches wie 1552 passieren könne, als die Konzilsväter vor den Trup- pen Moritz’ von Sachsen die Flucht ergriffen hatten; er fügte hinzu, alle Recht- gläubigen wären damals aus Deutschland vertrieben worden, wenn er nicht einen Frieden herbeigeführt hätte. Ein Versuch Ferdinands, seine von Rom so hart kritisierte Reichspolitik seit Passau dem neuen Vertreter der Kurie als sehr wohl das Interesse der Kirche wahrend darzustellen, der zugleich ein Beweis dafür ist, daß er seinen damaligen Kurs auch jetzt noch für richtig hielt! Doch fand er bei Hosius keine positive Resonanz242. Möglicherweise aus diesem 239 Daß Ferdinand mit dieser Wendung einen Fingerzeig geben wollte, wie das Konzil überhaupt vermieden werden könne (so Loewe, S. 17, G. Eder, Reformvorschläge, S. 46, Constant, Con- cession 1, S. 198), halte ich für unzutreffend. Trotz seiner Einwände wollte er das neue Konzil; darum lehnte er auch den Vorschlag Herzog Albrechts ab, vorher auf einem Reichstag nochmals darüber zu verhandeln. 240 CDI 98, S. 153ff: F. an Ph., 27.6.1560. Der These von Chudoba, Relaciones, S. 305f bzw Spain, S. 113, Ferdinand habe Teile des Memorandums nicht gebilligt, kann ich nicht folgen. 241 NB II 1, S. 45: Hosius an den König von Polen, 6.6.1560 242 Hosius’ Bericht v. 21.6.1560 (NB II 1, S. 53ff, bes. S. 55). Der Nuntius widersprach und pries die Rückführung Englands zur katholischen Kirche durch das energische Vorgehen der Königin Maria als nachahmenswertes Beispiel, was Ferdinand mit der Bemerkung quittierte, dort sei ein CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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