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Kapitel 6: Religiöse Eintracht und Reform der
Kirche396
sondern um der Sache willen hielt man die Fortsetzung des Trienter Konzils für
den falschen Weg258.
Die Festlegung des künftigen Kurses der Kurie bedurfte keiner langen Erör-
terung: Mit Hilfe Philipps II. sollte die Fortsetzung des Konzils durchgesetzt
und der Kaiser umgestimmt werden259. Indessen ließ sich Pius IV. in der ersten
Unterredung mit Arco nach Eingang des Wiener Gutachtens nichts anmerken,
denn er nahm zu den kaiserlichen Bedenken nicht Stellung, sondern äußerte
sich nur zu den angeregten Konzessionen260. Aus der Umgebung des Papstes
hörte der Orator danach, wenn der Kaiser der Aufhebung der Suspension zu-
stimme, mit der man dem französischen Nationalkonzil zuvorkommen wolle,
werde der Heilige Vater die Bewilligung der Konzessionen durch das Konzil
zusichern und den Protestanten zugestehen, daß sie auch zu den in den frühe-
ren Sitzungsperioden beschlossenen Dekreten nochmals gehört würden261.
Immerhin wäre eine wichtige Bedingung der Protestanten bei diesem Handel
ansatzweise berücksichtigt worden.
Die schriftliche, von Borromeo unterzeichnete Antwort der Kurie fiel indes-
sen recht schroff aus262. Jetzt rächte sich die Unterlassung, das neue Konzil
nicht expressis verbis gefordert zu haben, denn so bestand für Rom keine Not-
wendigkeit darauf einzugehen. Die meisten Einwände des Memorandums wur-
den kurz abgetan: Über seine persönliche Anwesenheit beim Konzil werde der
Papst zu gegebener Zeit nach eigenem Ermessen befinden. Ausreichendes Ge-
hör für die Protestanten sei für ihn kein Problem. Das Anliegen Ferdinands,
ihnen Brücken für die Teilnahme bzw. Rückkehr zu bauen, wurde übergangen.
Stattdessen wurde der Einwurf von Hosius über das vorbildliche Verhalten der
Maria Tudor aufgenommen, wobei großzügig übersehen wurde, wie stark der
Vergleich hinkte263. Nur die Bedenken gegen Trient als Tagungsort wurden
eingehend erörtert und zurückgewiesen, da angeblich in jeder anderen Stadt des
Reiches die Gefährdung des Konzils durch einen militärischen Überfall der
Protestanten stärker sei als dort. Dennoch wurde zum Schluß angeboten,
eventuell später – nach dem Zusammentreten – eine Verlegung vorzunehmen.
Der Kaiser wurde aufgefordert, die bedenkliche Entwicklung in Frankreich zu
berücksichtigen, der nur durch schnelle Berufung des Konzils entgegenzutreten
258 „Und ist demnach fast beschwerlich, das man erst Irer Mt. getreuen rat so spitzig zu Rom auf-
nemen sol; möcht wol dahin geratten, wa man ain ander mal weitter rats begeret, das Ir Mt. erst
fragen must, was sie ratten solt, damit sie sich nit vergrif. In summa, es sihet ime nit gleich, das
man bei disen kizligen leutten vil gutts in der christenhait schaffen werd“ (so Seld an Albrecht v.
Bayern). Zasius meinte, die Kontinuation sei der beste Weg „ad nihil agendum“ (zitiert nach
Goetz, Beiträge, S. 201f Anm. 2).
259 So im Prinzip in der Instruktion v. 13.7.1560 für den nach Spanien gehenden Nuntius Santa
Croce (CT 8, S. 52ff); vgl. Ehses, S. 146, Voss, S. 68f
260 Sickel, Konzil, S. 84f: Arco an F., 15.7.1560
261 Pastor, Päpste 7, S. 152 Anm. 5, hält die letztgenannte Meldung für unzutreffend; aber Arco
berichtete am 17.8.1560 nochmals, daß die Frage zumindest diskutiert wurde (Sickel, Konzil, S.
87).
262 Jetzt maßgebliche Edition in CT 8, S. 59ff
263 Die Reformation war 1553 in England viel weniger verwurzelt als im Reich, und die Kräftever-
hältnisse zwischen den deutschen Reichsständen und dem Kaiser waren ganz anders als die zwi-
schen Hochadel und Krone in England.
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien