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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 398 -
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Kapitel 6: Religiöse Eintracht und Reform der Kirche398 Schulterschluß mit Philipp II. und dem Papst raten, der zu bitten sei, ausrei- chend Zeit für Verhandlungen mit den Fürsten einzuräumen, obwohl der Bot- schafter meinte, die Protestanten würden unter keinen Umständen teilnehmen wollen269. An der Uneinigkeit der katholischen Mächte hatte sich also nichts geändert. „Die kay. Mt. hatt in disem fall vast meinen sin gehapt, in dem das sie es schier durchaus bey der vorigen antwort, doch mit hoflichen worten und haim- stellungen pleiben lassen“, schrieb Seld nach Abschluß der Verhandlungsrunde mit den Nuntien an Herzog Albrecht270. Den ersten Entwurf für die Antwort des Kaisers konzipierte der neue Bischof von Wien, Anton Brus von Müglitz, der seit einiger Zeit zu Ferdinands Beraterstab hinzugekommen war271. Nach- weisbar ist Selds Bearbeitung der vom Sekretär Singkmoser hergestellten latei- nischen Fassung272, und nach dem Zeugnis des Kanzlers befaßte sich Ferdinand selbst frühzeitig damit273. Der Kaiser kam zu dem Entschluß, diesmal mündlich („viva voce“) Klartext zu reden, um die Kurie unter Berufung auf sein kaiserli- ches Pflichtgefühl auf Punkte aufmerksam zu machen, die er – so seine Aus- drucksweise – weder verschleiern noch mit Stillschweigen übergehen könne, deren Aufnahme in die schriftliche Erwiderung aber doch nicht opportun er- schien274. Ferdinand übernahm es persönlich, den Nuntien in einer längeren, engagiert vorgetragenen Rede seinen Standpunkt darzulegen – ein eindrucks- volles Zeugnis dafür, wie wichtig ihm diese zweite Stellungnahme war. Sicher- heitshalber wurde Arco in Rom genau informiert – von den wesentlichen Pas- sagen anscheinend unter Zugrundelegung des Konzepts für den Vortrag –, da- mit er richtigstellen könne, falls beim Papst durch die Berichte der Nuntien ein schiefes Bild entstünde275. Vielleicht fielen die Ausführungen auch darum so deutlich aus, weil Kaiser- hof und Nuntien am 8. Oktober – noch vor der Übergabe der kaiserlichen Antwort – von dem neuerlichen Vorprellen des Papstes zwei Wochen vorher erfahren hatten276. Unter dem Eindruck von neuen Nachrichten aus Frankreich über das Ergebnis des Staatsrats von Fontainebleau, für den 20. Januar 1561 ein Nationalkonzil einzuberufen, wenn bis dahin zwischen Papst, Kaiser und den anderen Fürsten keine Einigung über das Universalkonzil erreicht wäre277, 269 CDI 98, S. 173ff: Luna an Ph., 8.10.1560. Von der jüngsten französischen Weisung erfuhr Luna durch Ferdinand. Vgl. auch Fischer, S. 155 270 BHStA München, KÄA 4306, fol 514v: eigh. Brief v. 16.10.1560 271 Skizze seiner Laufbahn bei Till, Brus; zu seinen kirchenpolitischen Auffassungen vgl. Steinherz, Denkschrift, S. 162ff. 272 Ediert in CT 8, S. 79ff; zur Genesis Sickel, Konzil, S. 99 273 „ir Mt. für ir person gar zeittlich damit gefaßt gewesen“ (wie Anm. 270). 274 Zunächst war noch ein persönlicher Brief des Kaisers an den Papst geplant, der nun zu einem belanglosen Begleitschreiben verkümmerte (HHStA Wien, RK RelA 5 Konv. Okt. 1560, fol 46r/v: F. an Pius IV., 16.10.1560, Konz.). 275 Sickel, Konzil, S. 109ff: F. an Arco, 18.10.1560; drei Berichte der Nuntien in NB II 1, S. 132ff (Delfino), S. 135ff (Hosius und Delfino), S. 147f (Delfino). 276 NB II 1, S. LXXXV; Delfino wurde angewiesen, den Kaiser zu drängen, sich der Auffassung des Papstes anzuschließen (ebda, S. 115: Borromeo an Delfino, 24.9.1560). 277 Fischer, S. 131f; Voss, S. 90 mit Nachweisen CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
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