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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 403 -
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Auseinandersetzungen mit Rom über die Rahmenbedingungen des Konzils 403 scheinen, ernster und näherte sich mit der Folgerung, vielleicht werde die Neu- berufung doch mehr Erfolg bringen, der Position Ferdinands an303. Dagegen resümierte Delfino, der Papst könne sich frei zwischen Neuberufung und Fort- setzung entscheiden, der Kaiser werde nicht widersprechen, obwohl er zwei- fellos ersteres befürworte304. Aber in Rom interessierte eigentlich nur, daß der Kaiser seinen Widerstand gegen Trient aufgegeben hatte, und Delfino, der das wußte, tat eine Zeitlang alles, um diese Konzession Ferdinands herauszustrei- chen305. So erwies sich die Vorsichtsmaßnahme, Arco genau zu unterrichten, als sehr sinnvoll, und der Orator zögerte auch nicht, nachdem Delfinos Bericht in Rom bekannt geworden war, dem Papst Ferdinands Haltung zu verdeutli- chen306. Nach Abschluß dieser Gesprächsphase mit Rom ging Ferdinand, obwohl er eine weitere nicht ausschloß, von der Annahme aus, daß in absehbarer Zeit mit den Protestanten über die Beschickung des Konzils zu verhandeln sein werde. Dafür erachtete er einen Reichstag als angemessenes Forum und begann zu überlegen, ob er die nötigen Sondierungen bei den Kurfürsten einleiten sollte307. Demnach hoffte er, den Papst überzeugen zu können. Herzog Albrecht, nach Ferdinand der bedeutendste katholisch gebliebene weltliche Reichsfürst, ermu- tigte ihn ausdrücklich, an seinen Einwänden gegen die Kontinuation festzuhal- ten, denn sie seien viel überzeugender als die Argumente des Papstes, durch die die Beschwerden der Protestanten nicht ausgeräumt würden, und ohne Teil- nahme der lutherischen Reichsstände und Königreiche sei nicht einsichtig, wie „solich continuirt concilium ain allgemain universal oecomenicum frey concili- um genennt werden oder sein mocht“308. Sehr gelegen kam in dieser Situation ein Bericht von Zasius über Unterhal- tungen mit den einflußreichen protestantischen Fürsten Christoph von Würt- temberg und Friedrich von der Pfalz, denn die gegenüber der Kurie verfochte- nen Thesen wurden dadurch großteils bestätigt309. Zasius hatte den Eindruck gewonnen, beide seien „so gar alieni nicht a concilio“, wenn ihnen dort mit dem Willen zur Verständigung statt mit Prestigedenken und Rechthaberei begegnet würde. Die Fortsetzung des Tridentinums lehnten die Herren allerdings strikt ab. Sie hatten Ferdinands Widerstand dagegen sehr gelobt – Zasius war er- staunt, wie gut sie über die Konzilsverhandlungen zwischen Kaiser und Papst informiert waren –, hatten betont, weil er als Kaiser das Oberhaupt von Katho- liken und Evangelischen und der oberste „Handthaber und Erhalter“ des Pas- 303 NB II 1, S. 137, 139, 141 304 Ebda, S. 135; dasselbe erzählte Delfino auch dem Gesandten Venedigs (VD 3, S. 162f: Bericht Soranzos v. 16.10.1560). 305 So z.B. in einem Brief v. 19.10.1560 an den französischen Botschafter in Rom (Le Laboureur 1, S. 473f); Evenett, S. 176f 306 Sickel, Konzil, S. 122f: Arco an F., 30.10.1560; zum Bekanntwerden der Berichte weitere Belege bei Reimann, Unterhandlungen, S. 610 Anm. 2 307 Vgl. seinen Brief an Herzog Albrecht v. 21.10.1560 (Sickel, Konzil, S. 119f). Ein weiteres Thema sollte wieder einmal „Türkenhilfe“ sein (s. Kapitel 10, S. 644 mit Anm. 208). 308 Sickel, Konzil, S. 128ff: Albrecht an F., 3.11.1560 (das Zitat S. 130) 309 BHStA München, KÄA 2046 fol 420r-422v: Zasius an F., Stuttgart, 4.10.1560 (Kopie); Auszug bei Goetz, Beiträge, S. 205f CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
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