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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 406 -
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Kapitel 6: Religiöse Eintracht und Reform der Kirche406 Obwohl in der Konzilsablaßbulle „Spiritus omnipotentis“325 durch die For- mulierung „universalem Synodum in eadem civitate Tridentina ... indicere et continuare statuimus“ die Streitfrage scheinbar unentschieden gelassen war, ging aus dem Kontext eindeutig die Intention hervor, das von den Vorgängern Paul III. und Julius III. begonnene Konzil fortzusetzen326. Einem aufmerksa- men Leser gab sie auch über die Prioritäten des Papstes Aufschluß, denn als Aufgaben des Konzils wurden genannt „exstirpatio haeresum praedictam“ (die aber nirgends beim Namen genannt waren) und „restitutio orthodoxae fidei“, während von Reform nicht die Rede war327. Arco sah danach zu Recht keine Chance mehr, der Auffassung des Kaisers noch Geltung zu verschaffen328. In der Berufungsbulle „Ad ecclesiae regimen“ vom 29. November329 war hingegen das Wort „continuare“ vermieden, vielmehr stellte der Papst seinen Entschluß, das Konzil zum Ostersonntag des nächsten Jahres nach Trient anzusagen („in- dicimus“), als Ergebnis von Konsultationen mit dem Kaiser und anderen Köni- gen und Fürsten dar; auch die Ergänzung der Ziele durch „Reform der Sitten“ mochte als Eingehen auf kaiserliche Wünsche gemeint sein. Durch die in die dispositive Formel eingeschobenen Worte „sublata suspensione quacumque“ war jedoch angedeutet, daß das Trienter Konzil fortgesetzt werden sollte. Das Versteckspiel wurde in den Begleitbriefen und Breven an die Fürsten fortge- setzt. Die an Ferdinand und an Franz II. gerichteten Schreiben enthielten nur die Formel „oecumenicum et generale concilium in civitate Tridentina indixi- mus“330, während Philipp II. eine – vom Papst eigenhändig geschriebene – Ver- sicherung erhielt, nichts anderes als die Fortsetzung sei beabsichtigt331. Die kuriale Rechnung ging indessen nicht auf, denn keine der drei großen weltli- chen Mächte gab sich zufrieden. Gründe für die lange Verzögerung der kaiserlichen Teilnahmezusage Arco hatte am Tag nach Verkündung der Berufungsbulle in Fortführung der bisherigen Linie dem Papst Befremden ausgedrückt, daß mehr Rücksicht auf Spanien als auf den Kaiser genommen werde, der von allen Herrschern am mei- sten am Konzil interessiert sei und für die Rückführung Deutschlands zur Kir- che kein anderes Mittel habe als das neue freie Universalkonzil332. Am Kaiser- hof hatten Arcos resignierende Berichte den Verdacht verstärkt, im Grunde 325 CT 8, S. 100ff; sie wurde auf den 15.11.1560 datiert. Das folgende Zitat S. 101 Z. 23. 326 „concilii celebrationem alias per Romanos Pontifices praedecessores nostras in civitate Tridenti- na facta indiximus continuendam“ (ebda, S.101, Z. 17f). 327 Ebda, S. 101, Z.26f 328 Sickel, Konzil, S. 143: Arco an F., 23.11.1560 329 CT 8, S. 104ff 330 Die Breven an die beiden Herrscher CT 8, S. 111ff; außerdem Sickel, Konzil, S. 147: Pius IV. an F., 4.12.1560. – Im Schreiben des Papstes an die evangelischen Reichsstände (v. 1.12.1560, CT 8, S. 114f) hieß es neutral „oecumenicum et generale concilium congregare“ und „indiximus in ci- vitate Tridentina celebrandum“. 331 CT 8, S. 118: Pius IV. an Philipp, 11.12.1560; Lecler, S. 262 332 Sickel, Konzil, S. 146: Arco an F., 30.11.1560; Rill, Arco, S. 20 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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