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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 407 -
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Gründe für die lange Verzögerung der kaiserlichen Teilnahmezusage 407 wollten Papst und Kardinäle gar kein Konzil333. Wohl oder übel mußte die Bulle – die erst Anfang Januar vom Sondernuntius Commendone überbracht wurde, deren Wortlaut aber schon früher bekannt war – als Orientierungsmar- ke für eine Prüfung genommen werden, welche Elemente der eigenen Kon- zilspolitik noch weiterverfolgt werden konnten. Man hatte keine Illusionen darüber, daß die Chancen für eine Teilnahme der Protestanten, das Kernstück der Konzeption Ferdinands, auf ein Minimum gesunken waren. In einem ersten Meinungsaustausch mit Hosius über die Bullen wies Maximilian sofort darauf hin, die Protestanten würden nicht zufrieden sein, weil in der Ablaßbulle von der Fortsetzung des Konzils gesprochen wurde, was Hosius zu der spitzfindi- gen Interpretation zwang, die Fortsetzung sei darin nicht dekretiert334. Über- zeugen konnte er den Habsburger damit nicht, der als weitere Kritikpunkte die viel zu kurz bemessene Zeit bis zur Eröffnung, die für die beabsichtigte Wer- bung bei allen Fürsten nicht genüge, sowie die verbreitete Abneigung gegen Trient als Tagungsort vorbrachte und schließlich beanstandete, daß der Papst zwar die Fürsten zur persönlichen Teilnahme aufgefordert, seine eigene aber nicht in Aussicht gestellt habe. Weit über einen Monat demonstrierte Ferdinand seine Verärgerung über das päpstliche Vorgehen, indem er die Publikation der Ablaßbulle in Wien teils durch formale oder persönliche Vorbedingungen, teils mit sachlichen Bedenken verzögerte335. Bemerkenswert ist, daß er für sein Argument, die Veröffentli- chung in seiner Residenzstadt werde wegen der in der Bulle angekündigten Fortsetzung des Trienter Konzils die Protestanten provozieren, sogar beim Grafen Luna Verständnis fand. Als der Kaiser schließlich dem Kompromißvor- schlag des zuständigen Wiener Bischofs zustimmte, beide Bullen nebeneinander anzuschlagen – das erfolgte dann am 26. Januar, nachdem es andernorts längst geschehen war –, hatte er sich ohnehin durch die Abordnung eigener Gesandter zur Unterstützung der Nuntien beim Naumburger Protestantentag nach außen hinter die päpstliche Konzilseinladung in ihrer dissimulierenden Formulierung gestellt – und konnte nun doch noch des vom Papst verkündeten Ablasses teil- haftig werden. Es war für Ferdinand immerhin ein Teilerfolg, daß die Kurie selbst die Auf- gabe übernahm, die protestantischen Reichsstände und Könige mündlich ein- zuladen; die Niederlage, die er wegen der Konzilsbedingungen der Protestanten vorhersah, mußte sie nun selbst einstecken. Allerdings hatte er versprochen, die päpstlichen Vertreter nach Kräften zu unterstützen. Notizen Selds, die bei der Vorbereitung auf die Gespräche mit Commendone entstanden sein dürften, erwecken den Eindruck, als ob der Vizekanzler der Meinung war, Ferdinand solle bei dieser so wenig aussichtsreichen Sache sein Prestige nicht aufs Spiel setzen336. Er schlug vor, die den päpstlichen Nuntien bei ihrer Rundreise vom Kaiser beizugebenden Begleiter zu instruieren, sich im Hintergrund zu halten, jene „das Eis brechen zu lassen“; penibel listete er die bekannten Einwände der 333 Vgl. NB II 1, S. 170, wo derartige Meldungen Hosius‘ zusammengestellt sind. 334 NB II 1, S. 183: Hosius’ Bericht v. 28.12.1560 335 Dazu eingehend NB II 1, S. 200ff 336 HHStA Wien, RK RelA 6 Konv. 1, fol 1–13, undatiert. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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Ferdinand I. als Kaiser