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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 410 -
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Kapitel 6: Religiöse Eintracht und Reform der Kirche410 zen346. So hatte Pius IV. gerade jenes Nahziel verfehlt, mit dem er die plötzliche Berufung begründet hatte. Indessen bedurfte es der Intervention von Hosius nicht, denn Ferdinand hatte genug politische Erfahrung, um dem französischen Begehren, er solle vom Papst eine Änderung der Konzilsbulle fordern – was ja eine Teilrücknahme implizierte –, nicht stattzugeben. Als Hosius bei ihm vorstellig wurde, um Ge- naueres über die Anträge Bochetels zu erfahren347, informierte er den Nuntius ganz offen über den französischen Vorschlag einer gemeinsamen Demarche in Rom und machte kein Hehl daraus, daß er mit der französischen Kritik prinzi- piell übereinstimmte und das Bochetel auch nicht verheimlicht hatte; aber er wolle, sagte Ferdinand, nach seinem mehrmaligen vergeblichen Bemühen dem Papst nicht mehr in den Ohren liegen348. Von der Warnung, dann werde das französische Nationalkonzil kommen, hatte er sich nicht beeindrucken lassen und Bochetel erwidert, er wolle die Antwort der Protestanten in Naumburg abwarten. Dieser Bescheid erlaubt Rückschlüsse auf das zugrundeliegende Kal- kül: Falls – was für wenig wahrscheinlich gehalten wurde – die Protestanten die Einladung des Papstes doch annahmen, durfte es nicht der Kaiser sein, der die zügige Realisierung des Konzils durch ein Revisionsbegehren erschwerte; die erwartete Ablehnung andererseits würde den Papst hoffentlich dazu bewegen, von sich aus in der Frage der Fortsetzung einzulenken. Eher als Störung seiner Bemühungen um die Protestanten denn als Aus- zeichnung empfand Ferdinand in dieser kritischen konzilspolitischen Situation die Verleihung des geweihten Schwertes durch den Papst349. Selbst wenn sie primär als Ermunterung gemeint war, das Konzil tatkräftig zu fördern, konnte sie doch auch als Mahnung zu präventiver Verteidigung der Kirche gegen die Häretiker (also die Evangelischen) gedeutet oder mißverstanden werden350. Ferdinand unterließ es nicht, den päpstlichen Nuntius Hosius nachdrücklich darauf hinzuweisen, und weigerte sich, das Schwert mit den üblichen öffentli- chen Zeremonien entgegenzunehmen, sondern empfing den Überbringer ledig- lich in Privataudienz351. – In Naumburg nahm die Zustellung der päpstlichen Einladung einen anderen Verlauf, als Seld gewünscht hatte, denn verschiedene Umstände führten dazu, 346 BN Coll Dupuy 357 fol 52ff: Karl IX. an Bochetel, 24.12.1560, (Druck bei Le Plat 4, S. 668f); Ferrière 1, S. 159f: Katharina an Bochetel, 24.12.1560 347 NB II 1, S. 195ff: Hosius’ Bericht v. 22.1.1561; Evenett, S. 208; vgl. auch CDI 98, S. 129f: Luna an Philipp, 28.1.1561 348 Nicht korrekt ist die Wiedergabe bei Fischer, S. 186: „Wenn er dennoch auf der Einberufung eines neuen Konzils bestehe [!]...“ 349 Cornides, S. 117; zur allgemeinen Bedeutung der Verleihung ebda, S. 42. 350 Vgl. das Schreiben Borromeos an Ferdinand (Sickel, Konzil, S. 163), in dem die Ausrottung der Pest der Häresien als Voraussetzung für die Einheit der Kirche und die Stabilität des Friedens im Reich und in Ferdinands Erblanden bezeichnet ist. Jedin, Konzil 4, S. 301 Anm. 15 nennt die Verleihung eine „große Unklugheit“. 351 Die Protestanten würden denken, „missum esse gladium contra se, et fortasse priores arma moturos“ (aus Hosius’ Bericht v. 17.2.1561 in NB II 1, S. 211). Weder die Verleihung noch Fer- dinands Geste blieben verborgen, wie aus dem Bericht des venezianischen Botschafters hervor- geht (VD 3, S. 182). CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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