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Kapitel 6: Religiöse Eintracht und Reform der
Kirche416
Trient gesandt und damit den anderen Herrschern ein Beispiel gegeben hätte; da
ihm das bislang aber nicht zweckmäßig erschienen sei, möge er sie wenigstens
in Abrufbereitschaft versetzen und sie losschicken, sobald der spanische König
seine entsprechende Entscheidung getroffen habe396. Das war weniger, als Ho-
sius verlangt hatte, insbesondere keine ausdrückliche Forderung nach Annahme
der Konzilsbulle! Außerdem versprach Pius IV. jetzt die Erfüllung eines ande-
ren Ferdinand wesentlichen Begehrens, nämlich persönlich zusammen mit den
Kardinälen zum Konzil zu kommen, wenn es opportun und nötig wäre; einst-
weilen wolle er sich nach Bologna begeben, der Kaiser möge sich seinerseits
nach Innsbruck verfügen, damit sie beide dem Konzil „benachbart“ wären.
Ferdinands Erwiderung entsprach den wenige Tage zuvor gefaßten Beschlüs-
sen ebenso wie seiner grundsätzlichen Auffassung vom Konzil. Nach einer
Rechtfertigung seiner Bemühungen, Rahmenbedingungen für eine wirklich
fruchtbare Synode zustande zu bringen, zumindest aber den katholischen Stän-
den eine risikolose Teilnahme zu sichern, von deren Sorgen der Papst aus den
Berichten der im Reich herumreisenden Nuntien erfahren habe, erklärte er, er
habe bereits pflichtgemäß über geeignete Vertreter beim Konzil nachgedacht
und sie inzwischen designiert, und er werde sie nach Trient schicken, „quam
primum fieri potest“397.
Wie ein roter Faden zieht sich durch viele Äußerungen Ferdinands das An-
liegen, die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Konzil zu schaffen; darum tat
er sich schwer, sich mit der Tatsache abzufinden, daß die Protestanten die Teil-
nahme ablehnten. Da er aber einen Gewilltheit zum Konzil zeigenden Papst als
letzte Instanz anerkannte, war, nachdem jener seine Entscheidungen getroffen
hatte und trotz aller begründeten Einwände daran festhielt, irgendwann – eben
jetzt – der Zeitpunkt gekommen, dem Oberhaupt der Kirche zu folgen, zumal
es ohne Gesichtsverlust geschehen konnte.
396 Sickel, Konzil, S. 191ff: Niederschrift der Werbung Canobios v. 2.5.1561
397 CT 8, S. 204f: Ferdinands Antwort v. 6.5.1561 auf die Werbung Canobios (dgl. bei Sickel, Kon-
zil, S. 194ff, dort auf den 4.5. datiert). Hosius hatte sogar Namen in Erfahrung gebracht (NB II
1, S. 252).
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien