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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des
Tridentinums418
durch das Konzil die eigenen Reihen zu schließen6. Die Zusage, alle Abgewi-
chenen freundlich anzuhören, wenn sie denn der Einladung folgen würden, war
unter diesen Voraussetzungen für jene wertlos, die Zubilligung des Stimmrech-
tes lag gänzlich außerhalb der Erwägung.
Da man in Rom glaubte, der Kaiser und Frankreich würden sich der spani-
schen Entscheidung anschließen7, leitete der Papst aus dem Einlenken Philipps
II. die Aufforderung an den Kaiser ab, die Abfertigung seiner Vertreter nach
Trient nicht länger zu verschieben8. In seiner Antwort bekräftigte Ferdinand
zwar seine Bereitschaft, die Gesandten rechtzeitig nach Trient zu schicken, ließ
aber durchblicken, daß er die Zeit noch nicht für gekommen hielt, weil es zur
Gewährleistung der Universalität des Konzils noch weiterer Bemühungen be-
dürfe9; als Beweis, daß er das Seine dazu tue, verwies er auf seine Mahnschrei-
ben an Katharina von Medici und Karl IX.10 und erinnerte an seine noch nicht
abgeschlossenen Verhandlungen mit den Kurfürsten, obwohl sich abzeichnete,
daß kein Reichstag zustande kommen würde. Die mehr oder weniger brüsken
Weigerungen der protestantisch gewordenen Königreiche Dänemark, Schwe-
den und England, am Konzil teilzunehmen, waren zu diesem Zeitpunkt in
Wien noch nicht bekannt11. Allerdings hatte die bis in den Dezember fortge-
setzte Verzögerung auch finanzielle Gründe: Wie Delfino vorgerechnet wurde,
sparte der Kaiser jeden Monat eine erkleckliche Summe, denn die Kosten für
drei Gesandte wurden auf monatlich 1200 Gulden veranschlagt12.
Mit den Vorbereitungen für das Konzil ließ man es in Wien gemächlich an-
gehen; entgegen der optimistischen Aussage von Anfang Mai dauerte es bis
Ende Dezember, ehe die Mitglieder der kaiserlichen Delegation feststanden13.
Der als Vertreter geistlichen Standes erst im November gewonnene Bischof von
Wien und designierte Erzbischof von Prag Anton Brus von Müglitz14 hatte den
Vorzug, auch über theologische Sachkunde zu verfügen, war aber Neuling auf
dem diplomatischen Parkett15. Der schließlich Ende Dezember zum weltlichen
Repräsentanten berufene Graf Sigismund von Thun war nur dritte Wahl und
entsprach dem Wunsche Brus’ nach einem erfahrenen, in Reichsangelegenheiten
versierten Kollegen nur bedingt. Die Aufgabe, Ferdinand in seiner Eigenschaft
als König von Ungarn zu vertreten, wurde dem Bischof von Fünfkirchen, Ge-
org Draskovich übertragen, der früher einmal Beichtvater Ferdinands gewesen
6 Sickel, Konzil, S.231f: Arco an F., 1.11.1561; vgl. Meyenhofer, S. 179 Anm. 28
7 So Borromeo am 7.6.1561 an die Legaten in Trient (Šusta 1, S. 30).
8 Sickel, Konzil, S. 205: Pius IV. an F., 5.7.1561
9 Ebda, S. 206f: F. an Pius IV., 23.7.1561
10 Vgl. Kapitel 10, S. 675f
11 Die Weigerung Friedrichs von Dänemark, den Nuntius zu empfangen, übersandte dessen vom
Kaiser abgeordneter Begleiter erst am 4.9.1561 nach Wien (HHStA Wien, RK RelA 6, fol 79r/v).
Zu den Antworten Schwedens und Englands Pastor, Päpste 7, S. 182 u. S. 452f.
12 NB II 1, S. 308: Bericht v. 18.9.1561
13 Einzelheiten bei Sickel, Konzil, S. 229; NB II 1, S. 339f
14 Brus’ schon seit geraumer Zeit betriebene Erhebung zum Erzbischof von Prag konnte Ferdi-
nand vor Beginn des Konzils bei der Kurie durchsetzen (NB II 1, S. 304ff).
15 Das ergibt sich aus den von Seld notierten Bedingungen , mit denen Brus die Annahme der
Aufgabe verband (HHStA Wien, RK RelA 6, fol 51v, vgl. Sickel, Konzil, S. 229).
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien