Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 418 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 418 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Bild der Seite - 418 -

Bild der Seite - 418 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Text der Seite - 418 -

Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des Tridentinums418 durch das Konzil die eigenen Reihen zu schließen6. Die Zusage, alle Abgewi- chenen freundlich anzuhören, wenn sie denn der Einladung folgen würden, war unter diesen Voraussetzungen für jene wertlos, die Zubilligung des Stimmrech- tes lag gänzlich außerhalb der Erwägung. Da man in Rom glaubte, der Kaiser und Frankreich würden sich der spani- schen Entscheidung anschließen7, leitete der Papst aus dem Einlenken Philipps II. die Aufforderung an den Kaiser ab, die Abfertigung seiner Vertreter nach Trient nicht länger zu verschieben8. In seiner Antwort bekräftigte Ferdinand zwar seine Bereitschaft, die Gesandten rechtzeitig nach Trient zu schicken, ließ aber durchblicken, daß er die Zeit noch nicht für gekommen hielt, weil es zur Gewährleistung der Universalität des Konzils noch weiterer Bemühungen be- dürfe9; als Beweis, daß er das Seine dazu tue, verwies er auf seine Mahnschrei- ben an Katharina von Medici und Karl IX.10 und erinnerte an seine noch nicht abgeschlossenen Verhandlungen mit den Kurfürsten, obwohl sich abzeichnete, daß kein Reichstag zustande kommen würde. Die mehr oder weniger brüsken Weigerungen der protestantisch gewordenen Königreiche Dänemark, Schwe- den und England, am Konzil teilzunehmen, waren zu diesem Zeitpunkt in Wien noch nicht bekannt11. Allerdings hatte die bis in den Dezember fortge- setzte Verzögerung auch finanzielle Gründe: Wie Delfino vorgerechnet wurde, sparte der Kaiser jeden Monat eine erkleckliche Summe, denn die Kosten für drei Gesandte wurden auf monatlich 1200 Gulden veranschlagt12. Mit den Vorbereitungen für das Konzil ließ man es in Wien gemächlich an- gehen; entgegen der optimistischen Aussage von Anfang Mai dauerte es bis Ende Dezember, ehe die Mitglieder der kaiserlichen Delegation feststanden13. Der als Vertreter geistlichen Standes erst im November gewonnene Bischof von Wien und designierte Erzbischof von Prag Anton Brus von Müglitz14 hatte den Vorzug, auch über theologische Sachkunde zu verfügen, war aber Neuling auf dem diplomatischen Parkett15. Der schließlich Ende Dezember zum weltlichen Repräsentanten berufene Graf Sigismund von Thun war nur dritte Wahl und entsprach dem Wunsche Brus’ nach einem erfahrenen, in Reichsangelegenheiten versierten Kollegen nur bedingt. Die Aufgabe, Ferdinand in seiner Eigenschaft als König von Ungarn zu vertreten, wurde dem Bischof von Fünfkirchen, Ge- org Draskovich übertragen, der früher einmal Beichtvater Ferdinands gewesen 6 Sickel, Konzil, S.231f: Arco an F., 1.11.1561; vgl. Meyenhofer, S. 179 Anm. 28 7 So Borromeo am 7.6.1561 an die Legaten in Trient (Šusta 1, S. 30). 8 Sickel, Konzil, S. 205: Pius IV. an F., 5.7.1561 9 Ebda, S. 206f: F. an Pius IV., 23.7.1561 10 Vgl. Kapitel 10, S. 675f 11 Die Weigerung Friedrichs von Dänemark, den Nuntius zu empfangen, übersandte dessen vom Kaiser abgeordneter Begleiter erst am 4.9.1561 nach Wien (HHStA Wien, RK RelA 6, fol 79r/v). Zu den Antworten Schwedens und Englands Pastor, Päpste 7, S. 182 u. S. 452f. 12 NB II 1, S. 308: Bericht v. 18.9.1561 13 Einzelheiten bei Sickel, Konzil, S. 229; NB II 1, S. 339f 14 Brus’ schon seit geraumer Zeit betriebene Erhebung zum Erzbischof von Prag konnte Ferdi- nand vor Beginn des Konzils bei der Kurie durchsetzen (NB II 1, S. 304ff). 15 Das ergibt sich aus den von Seld notierten Bedingungen , mit denen Brus die Annahme der Aufgabe verband (HHStA Wien, RK RelA 6, fol 51v, vgl. Sickel, Konzil, S. 229). CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
zurück zum  Buch Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V."
Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Ferdinand I. als Kaiser