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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 422 -
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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des Tridentinums422 Auffassungen. Als Zeichen seiner Aufgeschlossenheit für Reformen hatte Pius IV. die kaiserliche Visitation gebilligt, obwohl es an der Kurie und auch bei Hosius Bedenken gab, dadurch könnten Rechte des Heiligen Stuhls tangiert werden37. Im August 1561 berief Ferdinand eine Kommission, die die Ergebnis- se auswerten und Reformvorschläge erarbeiten sollte. Die daraufhin von ihm als „christlicher Kaiser, regierender Herr und Landesfürst, dem für die Abstellung solcher Mängel Sorge zu tragen gebührt,“38 erlassenen Anordnungen provo- zierten eine Eingabe der Prälaten des Landes ob der Enns, in der die Geistlichen selbst die Gewährung des Laienkelchs und die Dispensation verheirateter Prie- ster empfahlen39. Sie wurde zu einem weiteren Impuls für Ferdinands Ent- schluß, beim Konzil in der Reformfrage die Initiative zu ergreifen40. – Die lateinische Fassung der Instruktion für die Konzilsgesandten wurde erst Anfang Dezember beraten, nachdem Ferdinand Delfino verbindlich zugesagt hatte, seine Gesandten würden am 15. Januar in Trient sein41. Sie enthielt alle Aspekte Selds, wobei die Anweisungen zum Komplex „Behandlung der Prote- stanten“ genauer ausgearbeitet waren, während die Bemerkungen zur Reform kaum erweitert waren42. Entscheidungen in der vorhersehbaren Neuauflage des Streites über den Charakter des Konzils behielt sich der Kaiser vor, die Ge- sandten sollten beobachten und berichten43. Mit einigen anscheinend von Ferdinand persönlich während der Sitzung des Geheimen Rates aufgeworfenen Fragen wurde der Text an Gienger zur Begut- achtung übersandt44. Sie offenbaren, wie gering das Vertrauen Ferdinands in den Willen des Papstes, das Konzil zu einem positiven Ergebnis zu führen, und insbesondere in seine Reformbereitschaft war. Dabei ist zu beachten, daß jüng- sten Meldungen Arcos zu entnehmen war, der Papst wolle alle die gesamte Kirche betreffenden Reformen dem Konzil überlassen, die der Kurie aber in den eigenen Händen behalten45. Der Kaiser begehrte Rat, ob es tunlich sei, für den Fall, daß der Papst und seine Anhänger keine Reformen wollten und sie durch Abbruch oder Aufhebung des Konzils zu verhindern suchten, mit den Königen von Spanien und Frankreich, Portugal und Polen Verhandlungen auf- zunehmen, um gemeinsam Gegenvorstellungen zu erheben; Ferdinand selbst sah das Risiko, solche Gespräche könnten beim Papst Argwohn und bei den 37 NB II 1, S. 187: Weisung Borromeos vom 13.1.1561; dazu auch S. 180 u. S. 189 38 Instruktion für die Visitatoren v. 18.10.1561 (Wiedemann 1, S. 161ff) 39 Gedruckt bei Sickel, Reformations-Libell, S. 9ff; Eder, Glaubensspaltung, S. 100f 40 Vgl. sein Schreiben v. 24.2.1562 an Gienger (Sickel, Reformationslibell, S. 12ff). In seiner Ant- wort äußerte sich Gienger sehr abschätzig über die Motive jener Prälaten (ebda, S. 19). 41 NB II 1, S. 325 u. 327 42 Sickel, Konzil, S. 252–260: Instruktion v. 1.1.1562; dazu Eder, Reformvorschläge, S. 114ff 43 Die Weisung, sich allen Plänen für eine Translation zu widersetzen, wurde schon Ende Januar zurückgezogen und stattdessen angeordnet, für die Mehrheitsmeinung Verständnis zu bekun- den; es sollte vermieden werden, bei furchtsamen Konzilsvätern den Eindruck zu erwecken, der Kaiser wolle sie um jeden Preis in Trient festhalten (Sickel, Konzil, S. 267: F. an Oratoren, 26.1.1562). 44 HHStA Wien, RHRP 20b, Eintrag zum 6.12.1561 (zitiert VD 3, S. 200 Anm. 2); Ferdinands Brief an Gienger v. 10.12.1561 bei Sickel Konzil, S. 243f 45 Sickel, Konzil, S. 233: Arco an F., 8.11.1561 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
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