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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 425 -
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Der unbefriedigende Start in Trient 425 den 26. Februar angesetzten Plenarversammlung alles unterlassen werden, was als Fortsetzung des früheren Konzils interpretiert werden könne. Am zweck- mäßigsten sei sogar eine Verschiebung, damit man das Eintreffen von Prote- stanten einerseits, der Gesandten der anderen Mächte – gemeint waren Spanien und Frankreich – andererseits abwarten könne; sei das nicht möglich, so dürfe keine Frage von grundsätzlicher Bedeutung verhandelt werden, und die folgen- de Session müsse aus denselben Gründen möglichst weit hinausgeschoben wer- den. Auf keinen Fall dürfe die Confessio Augustana schon jetzt verurteilt wer- den, denn das würde in Deutschland und Frankreich gefährliche Gewaltaktio- nen der Protestanten provozieren und die Bemühungen des Kaisers zerstören, jene durch Milde auf den rechten Weg zurückzubringen. Endlich müsse für Geheimhaltung der Beschlußvorlagen gesorgt werden, damit sie nicht vorzeitig im Reich bekannt und angreifbar würden57. Ferdinand billigte diesen Vorstoß seiner Oratoren, kritisierte allerdings die Warnung vor Unruhen. Erstens mißfiel sie ihm, weil deswegen bei den prote- stantischen Ständen, wenn sie davon erfahren sollten, der Eindruck entstehen könnte, der Kaiser sei kleinmütig; zweitens hielt er den Anlaß für nicht gravie- rend genug, und drittens widersprach es dem Grundsatz seiner Konzilsdiplo- matie, keinen Druck auf die Konzilsväter ausüben zu wollen, weil er die Re- spektierung ihrer Entscheidungsfreiheit auch von der Kurie verlangte. Gleich- wohl bekräftigte er, es sei darauf zu achten, daß nichts proponiert werde, was den Gegnern der katholischen Kirche Grund zur Unruhestiftung gäbe58. Die Oratoren hatten nur teilweise Erfolg: Die Legaten ordneten die Geheim- haltung der Verhandlungspapiere an und signalisierten Entgegenkommen bei der Terminierung der nächsten Session, die dann auf den 14. Mai, also fast ein Vierteljahr später, festgelegt wurde. Die Vertagung der bevorstehenden Sitzung lehnten sie ebenso ab wie die Zumutung, vorerst nur sekundäre Probleme zur Beratung vorzuschlagen. Die Warnungen vor der Verurteilung der Confessio Augustana suchten sie durch den Hinweis zu entkräften, die Überarbeitung des Indexes werde gewiß lange Zeit in Anspruch nehmen und somit die Entschei- dung erst am Ende des Konzils fallen59 – ein Argument, das Ferdinand akzep- tierte; indessen mußten die Oratoren schon vier Wochen später melden, daß die Indizierung der evangelischen Bekenntnisschrift unvermeidlich sei60. Für die kaiserliche Konzilspolitik bedenkliche Töne schlug der die Session einleitende Prediger an mit der Aufforderung, dem Vorbild der spätantiken Kaiser Kon- stantin und Theodosius zu folgen und gegen die Häretiker mit Waffengewalt vorzugehen61. 57 CT 8, S. 326f; eine Kopie in HHStA Wien, RK RelA 7, fol 73ff (die Antwort der Legaten v. 17.2. einschließend); der Bericht der Oratoren v. 17.2.1562 über den Vorgang bei Sickel, Konzil, S. 269f; vgl. Bucholtz 8, S. 418 58 HHStA Wien, RK RelA 7 Konv. März 1562, fol 1–4: F. an die Oratoren, 1.3.1562; Sickel, Kon- zil, S. 271, zitiert nur die Kritik, nicht die Begründung. 59 CT 8, S. 327f 60 HHStA Wien, RK RelA 7, Konv März 1562, fol 63r-68r: Oratoren an F., 17.3.1562 61 Jedin, Konzil 4/1, S. 104f CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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