Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 427 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 427 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Bild der Seite - 427 -

Bild der Seite - 427 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Text der Seite - 427 -

Der unbefriedigende Start in Trient 427 etwa einen Protest anzukündigen; wieder mit der Begründung, die Väter sollten nicht den Eindruck gewinnen, daß er sie seinem Willen unterwerfen wolle71. Als die Legaten am 11. März 1562 zwölf Reformpunkte, eine Auswahl aus einer großen Sammlung von Fragen, die jene italienischen Bischöfe zusammen- gestellt hatten, proponierten, war das für die kaiserliche Konzilspolitik durch- aus ein Anfangserfolg, der aber keineswegs primär auf den Vorstoß der Ge- sandten zurückzuführen ist. Obwohl mit Ausnahme der Residenzpflicht der Bischöfe keine fundamentalen Probleme erfaßt wurden72, begrüßte Ferdinand, daß überhaupt mit Reformberatungen begonnen wurde, zumal seine Oratoren verhindert hatten, daß zwei Punkte, darunter die Residenzfrage, im letzten Moment gestrichen wurden73. Über diese Frage allerdings kam es zu heftigen Auseinandersetzungen unter den Konzilsvätern, die auch das Legatenkollegium spalteten, bis Pius IV., der seine papalen Rechte tangiert sah, die Weiterführung der Debatte im Mai untersagte74. Während so einerseits die Reformdiskussion, die für Ferdinand ja auch die Funktion hatte, Vorbehalte bei den Protestanten abzubauen, festgefahren war, war andererseits die spanische Forderung, die Synode als Fortsetzung der frü- heren Trienter Tagungen zu deklarieren, von dem inzwischen am Konzilsort eingetroffenen Bevollmächtigten Philipps II., Pescara, in seiner Begrüßungsan- sprache nachdrücklich wiederholt worden75. Dagegen verlor die von Ferdi- nands Oratoren zu vertretende Position, die Erklärung der Fortsetzung bringe keinen Nutzen, habe aber den Nachteil, die Tür für die Teilnahme der Prote- stanten endgültig zu verschließen, an Überzeugungskraft, weil es keinerlei ernsthafte Anzeichen von protestantischer Seite gab76. Eine weitere Belastung zeichnete sich ab, als der Erzbischof von Prag, dem der Vorsitz der Indexkom- mission übertragen worden war, mitteilte, daß in dem „Catalogus Romanus“ mehrere Handlungen („acta“) des Reichstages verdammt würden, ohne daß erkennbar wäre, was gemeint sei77. Zum letztgenannten Punkt gab Ferdinand umgehend die von Brus empfoh- lene Erklärung ab, eine Indizierung von Beschlüssen des Reichstages über- schreite die Kompetenzen des Konzils, sie könne und werde im Reich von nie- mandem befolgt werden, Brus solle sich „mit Händen und Füßen“ dagegen wehren78. In der Kontinuitätsfrage konnten seine Oratoren den Legaten zwar 71 HHStA Wien, RK RelA 7 Konv. 2, fol 59r-62r: F. an Oratoren, 15.3.1562 (z. T. gedruckt bei Sickel, Konzil, S. 278f) 72 Druck CT 8, S. 378f; knappe Zusammenfassung Lecler, S. 301; die Mehrzahl betraf Einzelfragen des Benefizialwesens, in zwei Fragen ging es um die Gültigkeit der klandestinen Ehen. 73 Sickel, Konzil, S. 286f: Oratoren an F., 23.3.1562, sowie S. 287f: F. an Oratoren, 30.3.1562 74 Jedin, Konzil 4/1, S. 127ff; ders., Der Kampf, S. 405ff 75 HHStA Wien, RK RelA 7 Konv. 2, fol 105r: Oratoren an F., 7.4.1562, Postskript (nicht bei Sickel); vgl. Eder, Reformvorschläge, S. 146f 76 Von einem kursächsischen Rat ausgestreute Behauptungen, Königin Elisabeth von England plane die Entsendung von Theologen und habe die protestantischen Reichsstände aufgefordert, dasselbe zu tun, waren unzutreffend (NB II 3, S. 60f). 77 Sickel, Konzil, S. 295: Brus an F., 28.4.1562 78 HHStA Wien, RK RelA 7 Konv. Mai, fol 18–19: F. an Brus, 10.5.1562 (ein Auszug bei Sickel, Konzil, S. 301) CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
zurück zum  Buch Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V."
Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Ferdinand I. als Kaiser