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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 428 -
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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des Tridentinums428 einen dreiwöchigen Aufschub abringen; aus dem für die Maisession vorbereite- ten Dekret wurde die Passage gestrichen, in der die Fortsetzung zum Ausdruck gebracht war79. Jedoch mußten sie gleichzeitig melden, die Legaten hätten dem spanischen Vertreter Pescara zugesagt, in der Session am 4. Juni die Fortsetzung und den Zusammenhang mit den vorhergehenden Konzilsperioden zu prokla- mieren; die Gesandten äußerten die Befürchtung, nun könnten die Protestanten den Vorwurf gegen den Kaiser konstruieren, die Kontinuation sei mit seiner Zustimmung festgestellt worden, um sie vom Konzil fernzuhalten80. Ihre Be- mühungen waren dadurch erschwert worden, daß die Legaten ihr Verhalten mit einer Mitteilung des Nuntius Delfino rechtfertigten, der Kaiser werde die Fest- legung der Kontinuation hinnehmen81. Wenn man Delfino folgen darf, dann hat dieser Bericht der Oratoren am Kaiserhof helle Empörung ausgelöst. Demnach stellte Ferdinand den Nuntius zur Rede und erklärte ihm, die Kirche und das Konzil würden jede Glaubwür- digkeit verlieren, wenn jene Erklärung nicht bis zum Ende des Konzils ver- schoben würde, angeblich drohte er sogar, seine Gesandten aus Trient abzube- rufen. Das Insistieren der Spanier kritisierte er scharf, es stehe ihnen als einer Nation unter mehreren nicht zu, dem ökumenischen Konzil Vorschriften zu machen. Delfino warf er vor, die Legaten falsch informiert zu haben, und be- stand darauf, lediglich gesagt zu haben, er wolle den Konzilsvätern seinen Wil- len nicht aufzwingen. Der Kaiser sei erregt gewesen, sei Delfino ins Wort ge- fallen und habe eine längere Gegenrede nicht zugelassen. Seld habe sich noch stärker verbittert gezeigt82. Die Oratoren in Trient erhielten eine ausführliche Instruktion, die alte und neue Argumente gegen die Proklamierung der Kontinuität zusammenstellte mit eben dem Ziel, ihre Vertagung bis zum Schluß des Konzils zu erreichen83. Un- ter anderem hieß es, sie sei unvereinbar mit dem im März dekretierten Freige- leitsangebot, weil dann eben nicht mehr alle Probleme mit den Protestanten erörtert werden könnten. Ferner sei nicht einzusehen, warum von dem Mittel- weg zwischen Neuansage und Fortsetzung, den der Papst mit der Berufungs- bulle betreten habe, vorzeitig abgewichen werden solle. Selbst die Ferdinand verdächtigen Verhandlungen, die Katharina von Medici mit evangelischen Reichsfürsten hatte führen lassen84, und die Sondierungen der französischen Regentin bei Elisabeth von England wegen deren Konzilsteilnahme85 sollten ausgespielt werden. Falls alle Argumente nichts fruchteten, sollten die Gesand- ten an den Konzilsversammlungen nicht mehr teilnehmen. Nicht Abreise, wie Delfino weitergegeben hatte, wohl aber demonstratives Fernbleiben war als letzte Waffe vorgesehen. 79 Jedin, Konzil 4/1, S. 141 u. S. 147; Šusta 2, S. 121ff: Legaten an Borromeo, 11.5.1562 80 Sickel, Konzil, S. 302ff: Berichte der Oratoren v. 12. u. 13.5.1562 81 Ebda, S. 305 u. S. 333; vgl. dazu NB II 3, S. 54 82 Zum Folgenden NB II 3, S. 52f: Delfino an Legaten, 22.5.1562 83 Sickel, Konzil, S. 314ff: F. an Konzilsoratoren, 22.5.1562 84 Vgl. Fischer, S. 278ff 85 Ebda, S. 320ff CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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