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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 429 -
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Der unbefriedigende Start in Trient 429 Gleichzeitig unternahm Ferdinand den Versuch, Philipp II. von seiner entge- gengesetzten Meinung abzubringen. Gúzman wurde angewiesen, ihm die Nachteile darzulegen86. Dem Grafen Luna hielt der Kaiser vor, die spanischen Theologen – und im Grunde auch König Philipp – hätten die ganz anders gear- teten deutschen Verhältnisse nicht begriffen; die wichtigste Aufgabe des Kon- zils, die Häretiker zur Kirche zurückzuführen, werde durch die Erklärung der Kontinuität unmöglich gemacht, denn dadurch würden diejenigen ausgeschlos- sen, die man gewinnen wolle; auch habe er den deutschen Fürsten gegenüber unter Berufung auf die päpstliche Bulle argumentiert, das Konzil sei ein Neu- anfang; der französische Botschafter habe ihm erklärt, Frankreich werde Protest einlegen, England erhielte einen willkommenen Vorwand, die Beschickung abzulehnen. Der Kaiser konnte den Gesandten so weit überzeugen, daß dieser seinem König riet, die Verschiebung der Proklamation zu akzeptieren, und ihn warnte, man werde ihm die Schuld für den von Ferdinand prophezeiten Ab- bruch des Konzils aufbürden87. Ebenso teilte Luna diese Argumente ein- schließlich der Drohung des Kaisers, die Sessionen zu boykottieren, dem spani- schen Konzilsvertreter Pescara mit88. Aber Philipp II. blieb scheinbar unbeein- druckt; trocken erwiderte Alba dem Botschafter des Kaisers, die deutschen Protestanten würden ebensowenig wie die Engländer zum Konzil kommen89. Ferdinands Hinweis im Gespräch mit Luna auf den angekündigten französi- schen Protest war insofern ein neuer Akzent, als der Kaiser Kongruenz mit Frankreich behauptete, obwohl er erst kürzlich Katharina von Medici durch Chantonnay heftige Vorwürfe wegen ihrer nachgiebigen Hugenotten-Politik gemacht hatte. Die Regentin hatte ihn zwar um Mitteilung seiner Konzilsin- struktion bitten lassen und danach versichert, daß sie mit seinen Intentionen übereinstimme90, aber Ferdinand traute ihr nicht, und für die im Frühjahr 1562 ausbrechenden Kämpfe in Frankreich machte er ihre Politik mitverantwortlich. Seine scharfe Kritik hatte er mit der Forderung verbunden, das Konzil endlich ohne weitere Verzögerungen zu beschicken und dort in Abstimmung mit ihm und Spanien die Reform der Kirche zu fördern91. Doch hatte Ferdinand nicht die Absicht, sich die weitergehenden französischen Forderungen, insbesondere das Verlangen nach ausdrücklicher Proklamierung als neues Konzil sowie nach Verlegung, zu eigen zu machen92. Seine Gesandten in Trient verhielten sich anfangs so kühl, daß der französische Chefdelegierte irritiert wurde93. Ferdi- nand ordnete dann an, die Vorschläge der französischen Gesandten freundlich 86 Das ergibt sich aus seinem Bericht v. 30.6.1562 (HHStA Wien, Spanien, Dipl. Korr 6, fol 198r- 201r). 87 CDI 98, S. 327–335: drei Berichte Lunas v. 21.5. und 23.5.1562 88 CDI 9, S. 193ff: Luna an Pescara, 22.5.1562 89 Wie Anm. 86; vgl. Chudoba, Relaciones, S. 320 Anm. 2 90 Ferrière 1, S. 269ff u. S. 289f: Katharina an Bochetel, 22.1. bzw. 9.4.1562 91 HHStA Wien, Frankreich, Dipl. Korr. 22: F. an Chantonnay, 26.4.1562 92 Zu den französischen Postulaten Evenett, S. 453f. Tatsächlich bezeichnete der Sprecher der französischen Gesandtschaft in seiner Begrüßungsrede die beiden ersten Tagungsperioden in Trient als weder legitim noch frei, brachte also indirekt die Position zum Ausdruck, die gegen- wärtige Synode als Neuberufung zu werten (Jedin, Konzil 4/1, S. 144f). 93 Meyenhofer, S. 305ff: Lansac an Bochetel, 25.5.1562; Kuny, S. 23 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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