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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 430 -
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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des Tridentinums430 anzuhören, aber nur das zu unterstützen, was im Rahmen der eigenen Intentio- nen liege, und sonst mäßigend auf sie einzuwirken94. Diese Zurückhaltung ge- genüber den französischen Aktivitäten einerseits, die Intervention bei Philipp II. und das beharrliche Werben bei den spanischen Bischöfen in Trient um Ver- ständnis andererseits belegen, daß Ferdinand die Führung behalten wollte, wenn durch Zusammengehen der drei weltlichen katholischen Mächte dem Konzil die gewünschte Richtung gewiesen werden sollte. Die französischen Gesandten in Trient setzten trotz ihrer Enttäuschung die Bemühungen um Kooperation, von Bochetel in Wien unterstützt, fort, wo immer sie Konvergen- zen der Interessen erkannten95. Delfinos Meldung, der Kaiser habe mit der Abberufung seiner Gesandten gedroht, machte auf die Konzilslegaten starken Eindruck, zumal sie vermuteten, die Franzosen würden sich anschließen, was ihrer Ansicht nach zur Auflösung des Konzils führen mußte96. Mit Rücksicht auf die deprimierte Stimmung der Legaten verzichteten die kaiserlichen Oratoren darauf, ihr letztes Druckmittel anzukündigen97, obwohl Ferdinand, als er erfuhr, daß die Legaten den Papst um die abschließende Entscheidung ersucht hatten, angeordnet hatte, die War- nung vorzubringen, denn er sah in den Rückfragen in Rom eine Beeinträchti- gung der Freiheit des Konzils98. Der Eklat wurde vermieden, weil Pius IV. sei- nen zuerst erteilten Befehl, in der Session am 4. Juni das Konzil als Fortsetzung der früheren Trienter Tagungen zu proklamieren, trotz heftiger Gegenvorstel- lungen von Vargas kurzfristig und gerade noch rechtzeitig widerrief99. Es war zunächst wieder nur eine Vertagung um anderthalb Monate, doch meinten die Oratoren, sich damit zunächst zufrieden geben zu können in der Hoffnung, in der Zwischenzeit würden sich der Kaiser und der spanische König verständigen100. Aufgrund ihrer Empfehlung ersuchte Ferdinand seinen Neffen abermals, die Frage der Fortsetzung ruhen zu lassen und stattdessen auf Refor- men zu insistieren und beim Papst für die Freiheit des Konzils einzutreten101. Die Oratoren in Trient sollten durchsetzen, daß die Frage in der nächsten Ses- sion stillschweigend übergangen würde, die Anordnung, notfalls ihr Fernblei- 94 HHStA Wien, RK RelA 8, fol 8r-11v: F. an Konzilsoratoren, 4.6.1562 (Teildruck bei Sickel, Konzil, S. 325ff). 95 Meyenhofer, S. 181, spricht von einer „Anpassung“ an die kaiserliche Position. Vgl auch Ferrière 1, S. 350f: Katharina an Bochetel, 11.7.1562, mit Bekräftigung des Auftrags zur Zusammenar- beit. 96 Šusta 2, S. 164ff: Legaten an Borromeo, 26.5.1562 97 Sickel, Konzil, S. 320ff u. S. 330f: Berichte der Oratoren v. 29.5. (bes. S. 321) und v. 16.6.1562 98 HHStA Wien, RK RelA 8, fol 8r-11v: F. an Oratoren, 4.6.1562 (Auszug bei Sickel, Konzil, S. 325f) 99 Die Quellen bei Šusta 2, S. 167–181; eingehend dazu Jedin, Konzil 4/1, S. 146ff. Seine These jedoch (ebda, S. 145f), Ferdinand habe gegen die Kontinuation des Konzils Front gemacht, weil er um die Stimmen der protestantischen Kurfürsten gefürchtet habe, ist nicht belegt und ver- kennt den Stand der Wahlangelegenheit (s. dazu Kapitel 9, S. 596). 100 Bericht v. 16.6. (wie Anm. 97) 101 CDI 98, S. 341ff: Luna an Ph., 25.6.1562, bes. S. 342 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
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